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Die Entwicklung im Amazon „Fliegengitter“ Fall

Welche Konsequenz unbedachte, negative Kommentare bei Bewertungsportalen haben können, zeigt ganz besonders der sogenannte „Fliegengitterfall“. Gestern fand die mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Augsburg statt (AZ: 21 O 4589/13).

Vermeintlich fehlerhafte Bedienungsanleitung führt zum Streit

Wir berichteten bereits über diesen unglaublichen Fall, bei dem ein Unternehmer von einem enttäuschten Kunden Schadensersatz in 5-stelliger Höhe fordert. Der Kunde war nach dem Kauf eines Fliegenschutzgitters für 22,51 Euro mit der Bedienungsanleitung zur Montage nicht zufrieden und gab eine schlechte Amazon-Bewertung für den Händler ab. Er behauptete, dass die Anleitung fehlerhaft sei. Aus Sicht des Unternehmers handelt es sich hierbei um eine rechtswidrige falsche Tatsachenbehauptung, die ihm erhebliche Umsatzeinbußen beschert hat. Er verlangt Ersatz für den Schaden, der ihm durch die negative Bewertung entstanden ist.

Mündliche Verhandlung ohne Ergebnis

Der Anwalt des Kunden, Rechtsanwalt Meyer aus Augsburg, hat auf seiner Website nun eine Pressemitteilung veröffentlicht, die die Ergebnisse der gestrigen mündlichen Verhandlung zusammenfasst. Ein konkretes Ergebnis werden wir demnach wohl erst am 30. Juli 2014 erwarten können. An diesem Tag will das Gericht eine Entscheidung verkünden. Ein Vergleich ist nach der mündlichen Verhandlung jedenfalls gescheitert. Der Unternehmer wäre bereit gewesen sich auf die Zahlung von 30.000 Euro zu einigen.

Entscheidung für Ende Juli erwartet

Bisher scheinen sich selbst die Richter nicht ganz sicher zu sein, wie der Fall zu bewerten ist. Der Unternehmer muss zunächst einmal beweisen, dass seine Montage Anleitung fehlerfrei ist und es sich somit bei der Bewertung tatsächlich um eine unwahre Tatsachenbehauptung handelt. Bis zum 09.07.2014 können noch Stellungnahmen abgegeben werden, die den Ausgang des Falles beeinflussen könnten.

Über den Fall werden wir selbstverständlich weiter berichten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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  1. […] Amazonbewertung Christian Solmecke erklärt wie aus einer negativen Amazonbewertung ein Gerichtsverfahren mit einem Streitwert von €70.000 werden konn…. […]

  2. […] den „Fliegengitterfall“ aufgezeigt. Wir berichteten im April darüber. Vor kurzem fand die mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Augsburg statt(AZ: 21 O […]

  3. Joachim Schmid sagt:

    Da bin ich wirklich gespannt wie das Gericht entscheiden wird. Bei dieser Unverdrossenheit des Klägers wird mit Sicherheit auch noch im Fall eines Freispruchs, eine Berufung stattfinden und sich der Prozess noch länger hinziehen.

    30.000 Euro als Einigung anzubieten sind wirklich ein schlechter Scherz !
    Da würde ich auch nicht einwilligen.

    Sollte sich das Gericht tatsächlich für den Kläger entscheiden, so kann sich Amazon das Bewertungssystem komplett entsagen. Auch andere Bewertungsportale sind dann völlig überflüssig.
    Wer schreibt dann noch eine ehrliche Bewertung, wenn er befürchten muss, dafür belangt zu werden wenn es dem Verkäufer nicht passt ?

    Meinungsfreiheit gehört noch zu unseren Grundrechten und sollte niemals angegriffen werden können.
    Natürlich ist dem gewisse Grenzen gesetzt, sobald unverhältnismäßige Rufschädigung oder persönliche Beleidigungen über Hand nehmen und somit der zu Bewertende zu einem Opfer wird. Was aber hier nicht der Fall war.

    Der Verkäufer scheint sich wenig bis gar nicht um die auftretenden Probleme seiner verkauften Produkte gekümmert zu haben und wurde somit zurecht schlecht bewertet. Nun versucht er wohl noch zusätzlich Geld aus der Kundschaft erpressen zu wollen in dem er horrende Schadenserzsatzsummen einklagen will, was aber hoffentlich komplett nach Hinten losgehen wird.

    Und das Alles nur wegen eines Fliegengitters…
    Manchmal frage ich mich wirklich, was solche Leute zu so einem Irrsinn anspornt ?

    Am 30.July werden wir sehen, wohin dies alles noch führen wird.

  4. Nick Fabo sagt:

    Ich kann den Ärger von Klaus Simmet, Inhaber von IVVT Simmet, als Lieferant vom Fliegengitter gut verstehen. Aber er war es wohl dann auch, der sich Amazon als Geschäftsplatform ausgesucht hat. Amazon ist bekannt für die eine oder andere in meinen Augen überzogene Maßnahme. Da will sich Klaus Simmet mit seiner Maßnahme (einer Forderung in dreistelliger Höhe gegen einen Privatmann) wohl einreihen, um mit Amazon gleichzuziehen.

    Aber schaut man sich die Kommentare von IVVT Simmet auf negative Kundenstimmen bei Amazon an, so erkenne ich den aus meiner Sicht nicht angebrachten Ton dieser Firma gegenüber ihrer Kunden. Das ganze ist schade und ich wünsche den beiden Kontrahenden, dass sie einen Weg ohne Anwalt finden, einen der Humor und Nachsicht erfordert, aber bei dem auch beide an menschlicher Größe gewinnen können.

    • Joachim Schmid sagt:

      Soll jetzt Amazon für diese Geschäfts-Eskalation verantwortlich sein ? Wer sich anständig verhält, wird auch bei Amazon nicht gebannt !

      Hier geht es um einen Streitwert von angegeben 70.000 Euro. Das hat weder etwas mit Humor noch mit Nachsicht zu tun. Und menschliche Größe erreicht man durch Erpressung mit Sicherheit nicht.

      Hätte sich Herr Klaus Simmet ganz höflich mit dem unzufriedenen Kunden zusammengetan und das Problem durch Kundennähe gelöst, so wäre sicherlich auch der Kunde bereit gewesen etwas auf Herrn Simmet zuzugehen und die Bewertung abgeändert als Zeichen, das Herr Simmet um die Kunden bemüht ist und sich um sie kümmert.
      Vielleicht lag ja einfach nur ein Defekt vor, was sich sicherlich hätte schnell beheben lassen können.
      Wer aber mit Drohungen kommt, der wird damit nur sehr wenig Erfolg haben und schlussendlich alles noch viel schlimmer machen.
      Aber dazu muss man erst einmal eingestehen, das man selber nicht unfehlbar ist und die Produkte, die man verkauft nicht immer top sein können.

      So gesehen ist Herr Simmet deutlich weiter weg menschliche Größe zu besitzen. Der Kunde hat dies aber schon durch die Nichteinschüchterung bewiesen.

      • Nick Fabo sagt:

        @ Joachim Schmid: Ja, recht haben Sie damit, dem Kunden enorme menschliche Größe zuzuordnen, unbestritten.

        Bei Herrn Klaus Simmet von IVVT Simmet dagegen scheint etwas nicht richtig zu laufen. Ich habe mal „Amazon“ und „IVVT Simmet“ bei Google eingegeben und dann auf das Impressum geschaut und es ist l e e r!
        Aber schaut selber:

        http://www.amazon.de/gp/aag/details/ref=aag_m_ss?ie=UTF8&asin=&isAmazonFulfilled=&isCBA=&marketplaceID=A1PA6795UKMFR9&seller=A2RXY4XWZ2DJBU#aag_detailsAbout

        Wer so auf Recht und Ordnung pocht wird sicherlich jetzt ein dickes Problem bekommen….

        Nochmals an den Kunden: Respekt, dass Sie nicht eingeknickt sind. Ich selbst habe mal nach einer negativen Bewertung bei eBay des Verkäufers „s-luce“ böse Post von seinem Anwalt bekommen. Auch ich habe mich nicht gebeugt, aber die Zeit war aufregend. Aber zu einer solchen Extremsituation wie bei Ihnen, ist es bei mir nicht gekommen. Nochmals Respekt!

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