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Rechtliche Folgen von SEO-Erpressung

Wir berichteten bereits über das Phänomen des sog. „Negativ-SEO“ durch Mitbewerber und dessen gravierende Auswirkungen für Onlineshop-Betreiber. SEO (Search Engine Optimization) oder Suchmaschinenoptimierung bezeichnet Maßnahmen, mit denen Einfluss auf die eigene Platzierung in unbezahlten Suchmaschinenergebnissen genommen wird. Das genaue Zustandekommen des Rankings hält Google zwar als oberstes Betriebsgeheimnis unter Verschluss, einige Punkte sind aber bekannt. Eine Verbesserung des Rankings kann so durch eine Optimierung des Seiteninhalts in Form von Formatierungen, Tags, Linkstrukturen und die Auswahl geeigneter Keywords erzielt werden. Mit dem „Negativ-SEO“ wurde bisher versucht, die Platzierung einer bestimmten Seite downzuranken, um sich selbst einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

©-Thomas-Jansa-Fotolia

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Erpressung mit Negativ-SEO

Da hierdurch für die Betreiber von Online-Shops massive Umsatzeinbußen drohen, verwundert es nicht, dass auch die Cyber-Kriminalität auf den Plan gerufen wurde. Wie das Online-Portal Golem berichtete, wurde der Betreiber eines Shops für Holzspielzeug damit erpresst, den Absturz seiner Webseite im Google-Ranking nur durch die Zahlung von 5.000 € verhindern zu können. Nachdem der Händler nicht zahlen wollte sorgte der Erpresser durch das Setzen von sog. „Badlinks“ in überwiegend osteuropäischen, asiatischen und arabischen Foren dafür, dass der Shop im Google-Ranking deutlich nach unten rutschte. Der Erpresser erstellte mit technischen Hilfsmitteln mehr als 500 Nutzerprofile mit denen er durch mehrfache Verlinkung aus einzelnen Domains tausende Badlinks generierte. Mit wirtschaftlich katastrophalen Folgen. Nach Angaben des Holzspielzeughändlers sackte sein Umsatz dadurch um 75 % ein.

Rechtliche Folgen von SEO-Erpressung

So hoch die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Betreiber sind, so massiv sind auch die straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen für den Erpresser:

Strafrechtlich erfüllt dieses Verhalten den Tatbestand der Erpressung nach § 253 StGB (Strafgesetzbuch). Die Erpressung ist strafrechtlich nicht das, was man als Kavaliersdelikt bezeichnen würde, steht für den Täter doch eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe in Aussicht. Handelt der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande, sieht das Gesetz sogar eine Freiheitsstrafe nicht unter 1 Jahr vor.

Unabhängig von diesen strafrechtlichen Konsequenzen muss sich der Erpresser darauf einstellen auch zivilrechtlich auf Schadensersatz in Anspruch genommen zu werden. Das „Negativ-SEO“ stellt einen Eingriff in das Recht des Händlers auf den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb nach § 823 Abs. 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) dar. Der Täter haftet dem Shop-Betreiber daraus für alle aus der Rankingmanipulation entstandenen Schäden. Bei gut laufenden Shops können so durch massive Umsatzeinbuße hohe Schadenssummen entstehen, da der zu ersetzende Schaden nach § 252 BGB auch den entgangenen Gewinn umfasst. Problematisch ist freilich auch die Widerherstellung des status quo im Google-Ranking. Eine direkte Schnittstelle für diese Probleme hält Google nicht bereit. Den Betroffenen bleibt nur der Umweg über Googles Webmaster Tool, womit jeder negativ besetzte Link einzeln erkannt und als Spam gemeldet werden müsste. Bedient sich der Händler für diesen zeitaufwendigen Akt eines IT-Spezialisten, muss der Erpresser auch dessen Rechnung als Schadensersatz zahlen. Zu guter Letzt wird sich der Händler bei derart massiven Rechtsverletzungen anwaltlich beraten lassen. Auch diese Kosten und ggf. die Kosten eines nachfolgenden Gerichtsverfahrens kann der Händler von dem Erpresser ersetzt verlangen. Daneben steht dem Händler ein Unterlassungsanspruch gegen den Erpresser zu, der ihn vor zukünftigen Eingriffen in seinen Gewerbebetrieb schützt.

 Durchsetzung von Ansprüchen schwierig

Fraglich bleibt aber ob der Geschädigte seine zivilrechtlichen Ansprüche auch durchsetzen kann. Im Fall des Holzspielzeughändlers konnte der Täter nicht ermittelt werden. Selbst wenn der Erpresser identifiziert werden würde, müsste der Händler vor Gericht beweisen, dass der Erpresser hinter den mit unterschiedlichen Namen, E-Mailadressen, ICQ-Nummern und Herkunftsangaben erstellten Forenprofilen steckt, auf denen die Badlinks gesetzt wurden.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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