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Hackerangriff: Sony ist erneut Opfer eines großangelegten Hackerangriffs, 93.000 Konten wurden geknackt – Wer haftet?

Wir hatten bereits am 28. April 2011 über den Hackerangriff auf das Sony Online-Network berichtet, bei dem seinerzeit rd. 70 Millionen Nutzer und deren Datensätze entwendet wurden. Nun ist Sony wieder ins Fadenkreuz der Hacker geraten. Wer haftet im Schadensfall? Was ist für Betroffene jetzt zu beachten?

Sonys Chef für EDV-Sicherheit Philip Reitinger teilte auf dem Firmenblog des japanischen Elektronikkonzerns die schlechte Nachricht mit: der Angriff wurde gegen das Sony Entertainment Network, das Playstation Network und Sony Online Entertainment durchgeführt. Zwischen dem 07. und 10. Oktober habe man beobachtet, wie man mit den gestohlenen Login-Daten und Passwörtern versucht hat, auf die Sony-Netzwerke zuzugreifen. Zeitweise musste Sony sämtliche Online-Angebote stilllegen.

Hier sind offenbar Daten genutzt worden, die „von anderen Firmen, Seiten und Quellen stammen“, also seien wahrscheinlich Datensätze betroffen, die nicht aus Sony Netzwerken selbst kommen. Sonys Sicherheitschef kehrt die Brisanz der Angelegenheit damit unter den Teppich und spricht von „nur 0,1 Prozent“ der Gesamtkundenzahl der Nutzer von Sony-Netzwerken. Immerhin sollen Kreditkartendaten nicht betroffen sein. Ein schwacher Trost.

 Wer haftet für den Fall, dass ein Nutzer durch die unberechtigte Nutzung seiner Daten einen Schaden erleidet?

Da jeder Nutzer mit Sony einen Vertrag schliesst, steht Sony als Verantwortliche im Feuer. Im Grundsatz haftet also der Konzern. Allerdings ist darauf zu achten, dass auch Sony in seinen Nutzungsbedingungen Haftungsausschlüsse einbaut – hier ist es wichtig, sich die jeweiligen Nutzungsbedingungen genau anzusehen. Sollte es einen Haftungsausschluss geben, müsste dann geprüft werden, ob dieser rechtlich wirksam ist, sich also am Gesetz messen lässt. Nur, wenn er wirksam ist, kann es für geschädigte Nutzer Probleme geben.

Die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE hat bereits am 28.04.2011 darüber berichtet, dass der Haftungsausschluss für Sony Online-Network nicht mit dem deutschen Verbraucherschutzrecht vereinbar ist. Aus der Sicht des deutschen Rechts dürfte ein solcher von Sony eingebrachter Haftungsausschluss also insgesamt keine Geltung haben mit der Folge, dass Sony voll für den Schutz sensibler Kundendaten in die Verantwortung gezogen werden kann. Das Problem bei der Rechtsdurchsetzung: Sony hat seinen Sitz nicht in Deutschland. Für den Klageweg entstehen daraus zusätzliche Schwierigkeiten. Ein Geschädigter sollte gegen Sony also nicht ohne anwaltliche Beratung in den Krieg ziehen.

Hinzu kommt, dass Sony zwischenzeitlich aktiv geworden ist und an seinen Nutzungsbedingungen gearbeitet hat. Wie wir bereits am 20. September 2011 berichtet haben, dürfte sich dadurch aber nichts für Nutzer ändern.

Welchen Beitrag können Nutzer selbst leisten, um Schäden aktiv zu vermeiden?

Wir raten Betroffenen dringend, die Passwörter Ihrer Nutzerkonten sofort zu ändern und nicht auf die Aufforderung von vermeintlichen Mitarbeitern von Sony zu reagieren, die sich mit E-Mail, Post oder per Telefon melden und sicherheitsrelevante Daten abfragen wollen. Es ist anzuraten, die eigenen Konten zu überwachen und auf ungewöhnliche Bewegungen zu achten.

Folgende Beiträge sind in diesem Zusammenhang für Sie wichtig:

Der Hacker-Angriff auf das Playstation-Network bei Sony und seine Folgen

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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