Datenschutz

Google Glass – Innovation oder Gefahr für den Datenschutz?

Die Idee einer internetfähigen Brille an sich stellt logisch betrachtet nur den nächsten Schritt in der Weiterentwicklung des Smartphones dar. Seit Beginn der Testphase sieht sich Google jedoch einer nicht enden wollenden Kritik vor allem von Seiten der Datenschützer ausgesetzt. Diese sehen in Google Glass ein enormes Gefährdungspotenzial für den Datenschutz.

Google Glass - Innovation oder Gefahr für den Datenschutz? © ferkelraggae-Fotolia

Google Glass – Innovation oder Gefahr für den Datenschutz? © ferkelraggae-Fotolia

Was kann Google Glass?

Mit Glass verbindet Google einen Mini-Bildschirm und eine Brille, sodass man seine Umgebung als sogenannte erweiterte Realität (Augmented Reality) wahrnimmt. Glass ermöglicht es dem Nutzer, per Sprachsteuerung Bilder und Videos in HD-Qualität aufzunehmen und diese mit anderen zu teilen, sie also ins Internet zu laden.

Weitere Möglichkeiten bieten sich durch Einspielen von Navigationssystemen oder einer Informationssoftware, wodurch man direkt via Internet Daten über Personen, Gebäude oder Gegenstände abrufen kann, die man sieht.

Unkalkulierbares Risiko für Datenschutz

Doch gerade in seinen Funktionen, die sehr nützlich sein können, liegt auch das Problem von Glass: Indem die Brille es dem Träger ermöglicht, seine Umgebung aufzunehmen, ohne dass diese etwas davon mitbekommt, stellt Glass vor allem im Bereich des Datenschutzes ein unkalkulierbares Risiko dar. So können allein durch eine der Hauptfunktionen wie das Erstellen von Schnappschüssen oder Videos Personen in ihrem Recht am eigenen Bild verletzt werden, ohne dass sie dies überhaupt mitbekommen. Auch wenn dies technisch bereits durch Smartphones und manche Kameras möglich ist, bekommt die Problematik mit Glass eine neue Dimension.

Das Image-Problem von Glass

Dadurch entsteht vor allem ein großes Imageproblem noch vor dem eigentlichen Verkauf. So gaben manche Tester an, dass sie es unangenehm fänden, Glass-Trägern gegenüberzusitzen, da sie ständig damit rechnen würden, gefilmt zu werden.

Hinzu kommt, dass vor allem Betreiber von Casinos und Bars in den USA ihre Lokale zur Glass-freien Zone erklärt haben. Zudem sind weitere „Verbotszonen“ denkbar, beispielsweise Kinos, Fabriken, Büros, staatliche Stellen und dergleichen.

Somit wäre es euphemistisch, zu behaupten, dass Glass aus diesen Gründen einen schlechten Start haben könnte.

Datenschützer verlangen Antworten

Im Rahmen der datenschutzrechtlichen Problematiken, die mit Glass verbunden sind, haben nun Datenschutzbeauftragte aus zehn Ländern – darunter die Datenschutzbeauftragten der EU-Staaten, Australiens, Neuseeland, Kanadas, Mexikos und Israels – einen gemeinsamen Brief an Google-Chef Larry Page verfasst, in dem sie um mehr Informationen über Glass fordern.

Die Datenschützer wollen in diesem Zusammenhang vor allem wissen, welche Informationen Google über die Nutzer der Brille sammeln möchte, wie diese verwendet und ob bzw. an welche Dritte sie weitergegeben werden sollen.

Image-Problem von Google

Grund für die Skepsis der Datenschützer könnte zudem noch ein Image-Problem von Google selbst sein. So musste der Konzern in den letzten Jahren häufig Bußgelder zahlen, weil er bei den Aufnahmen für seinen Dienst Street-View nebenbei auf unverschlüsselte W-LAN-Netze zugegriffen und deren Datenverkehr mitgeschnitten hatte.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Jann sagt:

    Es gibt doch Anti-Glass, eine Brille die mit infrarot-LED’s bestückt ist, und somit verhindert, dass das Gesicht durch Software erkannt werden kann. Aber immer mit der Anti-Glass-Brille rumzulaufen macht auch wenig sinn.
    Ich hoffe selber auch, dass eine akzeptable Lösung gefunden wird.

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