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EA: Origin ist keine Spyware

Mit Spannung wurde das Actionspiel „Battlefield 3“ von der Gamer-Szene erwartet, doch das von Electronic Arts (EA) entwickelte Spiel sorgte schnell für Unmut in der Community: „Battlefield 3“ läuft über die neue EA Online-Spiele-Plattform „Origin“ – und die sammelt Nutzerdaten. Nach massiven Protesten hat sich nun EA am Montag zu Wort gemeldet und betont, dass es sich bei Origin nicht um Spyware handelt.

EA: keine Spyware

„Weder nutzen noch installieren wir Spyware auf den PCs unserer Nutzer. Origin erfasst in begrenztem Umfang Informationen, die notwendig sind, um Ihnen das Kaufen, Herunterladen, Zugreifen und Spielen von Games und Spiele-Inhalten zu ermöglichen. Die Informationen werden zudem benötigt, um Online-Verbindungen mit anderen Spielern herzustellen sowie Inhalte und Software-Updates direkt auszuliefern. Die Daten werden auch dazu genutzt, das Auftreten kleinerer Software-Fehler sofort zu erkennen und auszubessern“, so der Hersteller. Auf persönliche Daten, Bilder und Dokumente werde aber nicht zugegriffen, man nehme den Datenschutz der Nutzer sehr ernst.

Man bedauere die „Verunsicherung“ der Kunden habe deswegen die Lizenzvereinbarungen überarbeitet, die nun mehr Klarheit für den Kunden bringen sollen.

Zweite Reaktion von EA 

Doch auch nach der Änderung der Lizenzvereinbarungen wollen die Diskussionen nicht abebben, die Skepsis dem Programm gegenüber ist nicht aus dem Weg geräumt. So meldete sich Olaf Coenen, Geschäftsführer von EA Deutschland, gestern erneut auf der Webseite des Unternehmens zu Wort:

„Natürlich ist Origin keine Spyware und installiert auch keinerlei Spyware auf den PCs der Nutzer. Damit Origin Spiele und Patches auf Rechnern installieren kann, ändert es die Zugriffsrechte auf dem jeweiligen PC. Das führt dazu, dass Windows – nicht etwa Origin – auf alle Dateien in einem Verzeichnis zugreift – ein Vorgang, der leicht wie ein Scan wirken kann. Dabei handelt es sich allerdings um eine gewöhnliche Windows-Funktion und nicht um einen Prozess zur Datenerfassung. Dabei scannt Origin selbst nicht das Verzeichnis, und auf Informationen wird weder zugegriffen noch werden sie von der Software gesammelt oder gespeichert. Wir sind uns allerdings bewusst, dass dieser Vorgang zu Verunsicherung bei unseren Kunden geführt hat und werden unsere Software in künftigen Versionen entsprechend aktualisieren, um unnötige Abläufe auszuschließen.“

Nach Informationen des Branchendiensts „Meedia“ habe der Publisher Passagen aus seinem Lizenzvertrag entfernt, „der ihm die Rechte daran sicherte, personenbezogene Informationen zu sammeln und weiterzugeben.“ So heißt es in der aktualisierten Version des Vertrags, dass das Unternehmen niemals „personenbezogene Daten weiterverkaufen, Spyware verwenden oder auf den Rechnern von Benutzern installieren“ werde.

Origin ist auch für die neuen EA-Spiele „Fifa 12“ und „Fußball Manager 12“ verpflichtend.

Umfangreicher Kopierschutz, der einer Spyware gleich kommt

Das Magazin „Gamestar“ hatte vor Veröffentlichung von „Battlefield 3“ den Lizenzvertrag juristisch prüfen lassen und war zu folgendem Fazit gekommen:

„Die Nutzungsbedingungen und der Endbenutzer-Lizenzvertrag von Origin sowie die Datenschutz-Richtlinien von Electronic Arts enthalten umfangreiche Verstöße gegen Verbraucher- und Datenschutzrechte. EA nimmt sich über die Nutzungsbedingungen das Recht heraus, einen umfangreichen Kopierschutz einzuführen, der in seiner Wirkung einer Spyware gleich kommt.“

Ferner räumt sich EA das Recht ein, praktisch alle Daten über die Nutzer, über deren Computer sowie deren Verhalten zu erfassen und zu verarbeiten. Nach den ersten Protesten wurde zumindest die Klausel entfernt, nach der diese Daten für Marketingzwecke genutzt und weiter gegeben werden durften. Trotzdem sind aufgrund des hier an den Tag gelegten Datenschutzverständnisses von EA massive Datenschutzverstöße zu erwarten. Auch wenn EA sagen sollte, dass sie nicht soweit gehen werden, wie es in den EULA steht, dann bleibt die Frage: Wozu brauchen sie diese Rechte dann überhaupt?“

Petitionen und Warnungen

Zudem hat sich mit www.theorigin.de eine Protestplattform gegen das Programm formiert. Dort wurde eine Petition eingerichtet, die nach neun Tagen bereits 10.000 Mal unterzeichnet wurde.

Der Elektrogroßmarkt Media Markt hatte in seinen Filialen bereits mit Hinweisschildern auf die unklaren Nutzungsbedingungen von Origin aufmerksam gemacht. Mittlerweile kann man bei Media Markt und Saturn dort gekaufte PC-Versionen von „Battlefield 3“ zurückgegeben.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (1)

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  1. T. Thompson sagt:

    „[…]Auf persönliche Daten, Bilder und Dokumente werde aber nicht zugegriffen, man nehme den Datenschutz der Nutzer sehr ernst.[…]“

    Das ist eine Lüge!
    Screenshots eines Betroffenen widerlegen diese Behauptung.
    Origin hat auf SMS der Sony PC-Suite und auf die Daten des Lexware Steuerprogramms zugegriffen.

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