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Datenschutz: Lauschangriff durch digitale Sprachassistenten?

Apple, Google, Amazon und Co. – die größten Tech-Unternehmen der Welt entwickeln immer bessere Sprachassistenten. So groß der Nutzen im Alltag auch sein mag – datenschutzrechtliche Bedenken bestehen vor allem, weil oftmals nicht klar ist, wie aufgenommene akustische Daten von den Unternehmen verarbeitet und gespeichert werden.

Datenschutz: Lauschangriff durch digitale Sprachassistenten? ©-IckeT-Fotolia

Datenschutz: Lauschangriff durch digitale Sprachassistenten? ©-IckeT-Fotolia

Digitale Sprachassistenten sollen Alltag erleichtern

Sprachassistenten wie Siri sind schon seit langer Zeit in Produkten wie Apples iPhone verbaut. Immer mehr technische Geräte wie Smartphones, Tablets, Lautsprecher oder Spielekonsolen werden von den Herstellern mit Sprachassistenzsystemen ausgestattet. Die Unternehmen wollen die Bedienung der Geräte möglichst einfach gestalten. Nutzer sollen die Gerätefunktionen durch einfache Sprachbefehle steuern können.

Dauerhafte Überwachung

Die von Apple, Google und Amazon entwickelten Sprachassistenten werden immer dann aktiv, wenn bestimmte Kommandos registriert werden. Nötig dafür ist, dass die Systeme dauerhaft „zuhören“. Wird das Assistenzsystem dann durch ein Kommando gestartet, beginnt der eigentliche Aufnahme- und Verarbeitungsprozess der Stimmdaten. Hierbei ergeben sich vor allem zwei datenschutzrechtliche Bedenken. Erstens können die Systeme theoretisch – auch unerkannt – Geräuschkulissen und Stimmen dauerhaft aufnehmen. Zweitens ist in vielen Fällen nicht eindeutig klar, ob und wie die aufgenommenen Daten verwertet und gespeichert werden.

Bundesdatenschutzbeauftragte warnt vor Nutzung

Andrea Voßhoff, Bundesdatenschutzbeauftragte für Datenschutz, hat wiederholt ihre Bedenken in Bezug auf die Nutzung von Sprachassistenten geäußert. Dabei kritisierte sie vor allem den für Nutzer nur wenig transparenten Umgang mit den aufgenommenen Sprachbefehlen und Hintergrundgeräuschen. Oftmals sei für Nutzer eben nicht klar, ob und wie die Daten von den Herstellern gespeichert und gelöscht werden. Nutzern von Sprachassistenzen müsse das Risiko einer theoretischen Dauerüberwachung bewusst sein.

Hersteller verteidigen sich

Die Hersteller von Sprachassistenzsystemen begegnen datenschutzrechtlichen Bedenken oftmals mit dem Argument, dass die Systeme zwar dauerhaft aktiv auf Sprachkommandos warten würden, aber dabei keine wirkliche Aufnahme stattfinde. Vielmehr würden die Umgebungsgeräusche auf Sprachkommandos gescannt. Dabei entstehende Daten würden nur lokal auf den jeweiligen Geräten gespeichert und regelmäßig überschrieben. Eine aktive Aufnahme von gesprochenen Worten und eine anschließende Speicherung und Verarbeitung von Daten auf fremden Servern, werde erst dann ausgeführt, wenn ein Aktivierungskommando erkannt wurde.

Fazit

Die Nutzung von Sprachassistenten kann nützlich und komfortabel sein. Datenschutzrechtliche Risiken sollten Nutzern immer bewusst sein. Hersteller solcher Assistenzsysteme sollten transparent darüber aufklären, ob und wie aufgezeichnete Daten auf inländischen oder ausländischen Servern gespeichert werden. Darüber hinaus sollten Hersteller Sorge dafür tragen, dass die Assistenzsysteme möglichst nicht von außen gehackt werden können. Vor kurzem erst wurde bekannt, dass die Kamera eines Smart-TVs manipuliert wurde und unerkannt die Besitzer aufgenommen hat. (NH)

Sicher ist das folgende Video interessant:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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