Datenschutz

Apple speichert Telefonverbindungsdaten in der iCloud

Die iCloud Synchronisation speichert Kalender, System-Backups und Fotos. Nun kam heraus: Apple speichert auch Telefon-Verbindungsprotokolle und das mehrere Monate lang und legt diese im iCloud-Backup ab. Klar ist: Datenschutzrechtlich ist dies ein großes Problem.

Die meisten Nutzer von Apple-Produkten wie iPhone oder iPad werden es vermutlich bislang nicht gemerkt haben, doch mit Einführung von iOS 9 speichert Apple Verbindungsdaten von Telefonanrufen in der iCloud. Teilen sich mehrere Personen eine gemeinsame Apple-ID und somit einen Account, erhalten sie unter anderem Benachrichtigungen über entgangene Anrufe der anderen. Dazu zählen sowohl selbst getätigte als auch verpasste Anrufe aus der aktuellen Anrufliste. Daneben lassen sich Anrufzeit, Anrufer sowie die Länge des Telefonats nachvollziehen.

Diese Daten werden im iCloud-Backup gespeichert und können theoretisch nicht nur von Apple, sondern auch von Staatsanwaltschaften eingesehen werden, sollte ein richterlicher Beschluss vorliegen.

Es stellt sich in der Tat die Frage nach dem Mehrwert für Nutzer. Eine Einstellung, die isoliert die Synchronisation der Anrufhistorie über die iCloud stoppt, sucht man derzeit in iOS vergebens. Einzige aktuelle Möglichkeit: Die Deaktivierung der iCloud.

Nutzer sollen auf Doppelnutzung von Apple-IDs verzichten

Apple empfiehlt Nutzern auf eine Doppelnutzung von Apple-IDs zu verzichten, sofern Nutzer auf eine Synchronisation innerhalb der Familie verzichten wollen. Als Alternative sollten Nutzer das sogenannte iCloud-Familien-Sharing verwenden. Hier können mehrere Accounts miteinander verknüpft werden, ohne dass die Telefoniehistorie geteilt wird. Allerdings kann dann auch nicht die iCloud-Fotobibliothek geteilt werden.

Speicherung der Daten ohne Aufklärung der Nutzer ist verboten

Sofern Apple die Metadaten der Telefonie verschlüsselt in der iCloud speichern würde und dann selbst auch nicht mehr an die Daten herankäme, wäre die Speicherung erlaubt. Schaut man sich allerdings die Nutzungsbedingungen der iCloud an, dann wird sehr schnell deutlich, dass Apple durchaus eine Art Generalschlüssel besitzt um an alle Daten heranzukommen. Insofern ist ein einfaches Speichern, ohne den Nutzer explizit zu fragen oder darüber aufzuklären verboten.

Andererseits muss gesagt werden, dass die iCloud Nutzungsbedingungen in der aktuellen Version so weit gefasst sind, dass es Juristen aufhorchen lässt. So steht beispielsweise in den Nutzungsbedingungen, dass Apple jederzeit alle Daten in der iCloud verändern- und wenn Apple es für nötig hält, die Daten auch an Dritte weitergeben darf. In der iCloud sind allerdings unter anderem auch Daten wie der eigene Terminkalender oder die eigenen Emails gespeichert, so dass die iCloud, aus deutscher Rechtssicht ohnehin nicht nutzbar ist.

Telefoniehistorie auf allen Geräten mit gleicher Apple-ID

Klar ist: Jeder darf seine eigenen Gespräche aufzeichnen und die Telefonieprotokolle sodann entweder auf dem lokalen Endgerät wie dem eigenen Smartphone oder auch in der iCloud speichern.
Problematisch allerdings wird es immer dann, wenn die Speicherung ohne Information der Nutzer erfolgt. Und: Im aktuellen Fall hat diese Information gerade nicht stattgefunden. Vielmehr hat Apple mit iOS 9 schlicht ein neues Update installiert. Ein neues vermeintliches Feature des Updates ist es dabei, dass auf allen Geräten, die die gleiche Apple-ID nutzen, nun eine komplette Telefonhistorie sämtlicher Geräte zu sehen ist.

So kann es passieren, dass Nutzer plötzlich die gesamte Telefonhistorie des Ehepartners oder der eigenen Kinder in der eigenen Anrufhistorie sehen können. Hierzu sagt Apple, dass dieses Problem umgangen werden kann, wenn sich jeder Nutzer eine separate, eigene Apple-ID zulegt, oder man auf die Nutzung der iCloud verzichtet.

Apple muss reagieren und nachbessern

Die iCloud komplett abzuschalten, ist auch der einzige tatsächliche Tipp, den Apple an die Nutzer weitergibt. Doch kann das die Lösung sein? Natürlich nicht! Immerhin zahlen Nutzer viel Geld für die iCloud, beispielsweise wenn sie regelmäßige Backups in der iCloud hinterlegen wollen. Damit jedoch ist nicht gesagt, dass Nutzer auch jedes Feature der iCloud nutzen wollen. Jedenfalls kann Apple bei einem laufenden Vertrag rechtlich nicht ohne weiteres Features ändern und damit für manch einen Nutzer die iCloud unbenutzbar machen.

Daher liegt es nun an Apple zu reagieren und z.B. eine Art Abschaltknopf in die Software einzubauen, womit sodann die Übertragung der Telefonhistorie in die iCloud verhindert werden könnte.

Die Apple Nutzungsbedingungen

Natürlich versucht Apple über seine Nutzungsbedingungen das eigene Verhalten zu rechtfertigen. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen wird der Nutzer darüber aufgeklärt, dass sämtliche Metadaten übertragen werden, wie insbesondere vorhandene Fotos. Das ist auch keine Neuerung, sondern war bereits vor dem Update in der Vergangenheit so. Wer dieselbe Apple-ID verwendete, sah und sieht die Fotos des jeweils anderen auf dem eigenen Endgerät. Diese Features waren allerdings insgesamt für den Nutzer offensichtlicher.

Softwaretechnisch hat Apple hier eine klare Fehlentscheidung getroffen, die möglichst beim nächsten Update rückgängig gemacht werden sollte.

Weitere Problemfelder in der iCloud

Denkt man das Thema iCloud weiter, so finden sich noch weitere höchst problematische Themenbereiche. Beispielsweise das Thema Emails: Sobald diese in der Cloud gespeichert werden, können Emails theoretisch von Apple gelesen werden. Private Informationen von Freunden oder gespeicherte Telefonlisten können so in der iCloud leicht abgerufen werden. Auch Ortsangaben, Datum und Uhrzeit von geschossenen Fotos werden in der iCloud gespeichert. Im Zweifel können diese Daten noch erheblich sensibler sein, als die aktuelle Diskussion um die Telefonhistorie.

Es ist davon auszugehen, dass sich Datenschützer zukünftig intensiv mit der iCloud beschäftigen werden und vor allem auch beschäftigen müssen, da die größten Teile der iCloud datenschutzrechtlich als höchst problematisch und illegal anzusehen sind. Zurzeit haben Datenschützer aber auch vor allem mit Facebook zu tun, so dass Apple vermutlich noch etwas Zeit hat nachzubessern um nicht ins Visier der Ermittler zu gelangen. (TOS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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