Computerstrafrecht

Manipulation am Geldausgabeautomaten als Ausspähen von Daten strafbar?

Ein aufmerksamer Bankkunde hat kürzlich eine illegal installierte Kamera an einem Geldausgabeautomaten auf der Euskirchener Straße in Köln entdeckt. Diese Art des Datenklaus ist bereits in den Medien bekannt gemacht und vielfach diskutiert worden. Was aber die meisten garnicht wissen: Manipulationen dieser Art können als Ausspähen von Daten strafbar sein.

In dem konkreten Fall wurde die Kamera über dem Ausgabeautomaten und ein dazu gehöriges technisches Gerät an dem Automaten – vor dem Eingabeschlitz – angebracht. Diese Geräte ermöglichen dem Täter bekanntermassen, an Kundendaten zu kommen, indem der Magnetstreifen der Bankkarte bzw. die dazu gehörigen Kontodaten ausgelesen werden. Dieser Vorgang nennt sich „Skimming“.

Der Täter erhält mit dieser technischen Finesse die Möglichkeit einer direkten Interaktion mit den Daten – mit Hilfe der installierten Kamera kommt er auch an die Geheimzahl des Nutzers und kann diese der Karte zuordnen. Auf diese Weise können die Geldkarten der Bankkunden nachgebildet werden und der Täter kann an anderen Geldautomaten das jeweilige Konto dann in Ruhe leer räumen.

Grundsätzlich hat der Bundesgerichtshof in einem neueren Beschluss (Beschluss vom 14.01.2010 – Az: 4 StR 93/09) die Strafbarkeit wegen Skimming aus § 202 a Abs. 1 StGB verneint. Er hat dies damit begründet, dass hierfür – kurz gesagt – die Überwindung einer Zugangssicherung erforderlich sei. Nun könnte man aber dennoch von einer Strafbarkeit wegen Vorbereitung einer solchen Tat ausgehen.

Dazu kommt, dass sich die Technologie in beide Richtungen rasch entwickelt, sowohl inRichtung Straftäter als auch in Richtung Finanzwesen. Die Straftäter versuchen, mit immer neuen raffinierten Methoden an das Geld der Bankkunden zu gelangen. Daher haben die Banken auch ein neues Kartensystem eingeführt. Die herkömmliche Bankkarte ist daher neben dem Magnetstreifen auch mit sog. EMV-Chips ausgestattet. Diese Chips kommen einer reinen Verschlüsselungstechnik gleich, denn sie sollen nicht nur die Kundendaten selbst speichern, sondern gerade auch das Auslesen der Daten durch die Verschlüsselung verhindern. Will der Täter also jetzt an die Kontodaten/Kundendaten gelangen, muss er diese „Zugangssicherung“ überwinden – ein Tatbestandsmerkmal für das Ausspähen von Daten nach § 202 a StGB.

Wer den Täter dingfest macht, kann ihm damit also mal ordentlich auf den Pelz rücken.

Lesen Sie dazu unsere Serie zum Internetstrafrecht, Datendiebstahl, zur Manipulation von Datenträgern, zum Computerbetrug & Co. mit vielen weiteren Informationen. Insbesondere könnten auch folgende Artikel für Sie besonders interessant sein:

Strafbarkeit wegen der Vorbereitung zum Ausspähen und Abfangen von Daten

Strafbarkeit wegen Computersabotage

Strafbarkeit wegen Datenmanipulation

Wir freuen uns, Ihnen an dieser Stelle auch einen Beitrag von Ass. Jur. Alexander Seidl empfehlen zu dürfen. Herr Seidl ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht an der Universität Passau: Zur Strafbarkeit wegen „Skimming“

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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