Computerstrafrecht

Hacker gefährden Infrastruktur in den USA

Die Hackergruppe Anonymous könnte Angriffe auf die IT-Systeme von amerikanischen Industrieunternehmen beabsichtigen. Das geht aus einem Bericht des „Department For Homeland Security“ (DHS) hervor.

 

Der dem DHS zugeordneten Abteilung für Netzsicherheit „National Cybersecurity And Communications Integration Center“ (NCCIC) liegen laut Heise-Online Informationen vor, dass Anonymous Cyberattacken auf Unternehmen plant, die mit sensiblen Informationen arbeiten. Im Fokus der jüngsten Attacken stehen solche Unternehmen, die für die Sicherheit und Infrastruktur relevant sind. Ein Beitrag in einem Online-Forum, der einem Mitglied der Hackergruppe zugeordnet wird, spricht etwa von Angriffen auf ein Biotech-Unternehmen und deren Daten. Laut diesem Beitrag hat die Hackergruppe Zugriff auf die persönlichen Daten von mehr als 2500 Mitarbeitern. Kürzlich hat Anonymous auch seine Mitglieder dazu aufgerufen, Energieunternehmen anzugreifen.

Anonymous zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Gruppe sehr lose organisiert ist, es fehlt an klar durchschaubaren Strukturen. Somit lässt sich im Einzelfall nur schwer beurteilen, ob ein Angriff wirklich von Mitgliedern des Kollektivs ausgeht oder es sich dabei um Trittbrettfahrer handelt.

In dem Fall des Biotech-Unternehmens hat sich Anonymous aber tatsächlich zu den Angriffen auf die Website und die Mitarbeiterdaten bekannt, daher geht das NCCIC davon aus, dass diese von dem Kollektiv begangen wurden.

Bislang hat die Hackergruppe die Möglichkeiten, auf fremde Webseiten oder interne Daten zuzugreifen, lediglich dazu genutzt, die Unternehmen bloßzustellen. Die Angriffe erfolgten zumeist mit sehr einfachen Hackerprogrammen ohne, dass eine Schädigung beabsichtigt worden wäre. Durch die Demonstration, dass Anonymous nun aber auch auf solche empfindlichen und gut geschützten Daten zugreifen kann, die für die Sicherheit der Infrastruktur relevant sind, zeigt sich das DHS allerdings besorgt. Anonymous könnte in Zukunft auch die konkrete Schädigung von „Targets“ beabsichtigen.

Aus Sicht der Behörde ist es schwierig, sich gegen das Kollektiv zur Wehr zu setzen, weil es eben nicht klar ist, wer genau dahintersteckt. Die Gruppe ist jedenfalls sehr weit vernetzt und scheint auch auf andere Hacker einen gewissen Einfluss zu haben. Das DHS befürchtet nun, dass andere Hacker sich davon ebenfalls verleiten lassen, den Aufruf zu Angriffen auf sicherheitsrelevante Unternehmen nachzukommen.

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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