Arbeitsrecht

Zahngold von Toten steht aufgrund Verwahrungsverhältnis dem Krematorium zu

Mitarbeiter eines Krematoriums sind ihrem Arbeitgeber gegenüber schadensersatzpflichtig, wenn sie das aufgefundene Zahngold eines Verstorbenen nicht an ihren Arbeitgeber abgeben. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) in letzter Instanz entschieden (Urteil vom 21.08.2014, Az. 8 AZR 655/13).

 

Veräußerung des Zahngoldes

Folgendes war passiert: Ein Ex-Mitarbeiter eines Krematoriums in Hamburg war unter anderem dafür zuständig, aus der Totenasche Wertgegenstände herauszusuchen und an seinen Arbeitgeber abzuliefern. Entsprechendes wurde seitens des Krematoriums nochmal ausdrücklich kommuniziert und im Zuwiderhandlungsfall mit Kündigung und Strafanzeige gedroht. Zu den Wertgegenständen gehört auch Zahngold, um das es im konkreten Fall geht. Der Angestellte hielt sich aber nicht an die Vorgabe und verkaufte stattdessen das Gold.

Das passierte nicht nur einmal, sondern war für ihn und seine damalige Ehefrau über sechs Jahre eine lukrative Einnahmequelle. Veräußert wurde angeblich insgesamt 31 Kilogramm des Goldes. Irgendwann wurden die Chefs des Unternehmens stutzig, denn der beauftragten Scheideanstalt, welche verantwortlich für die Verwertung des Zahngoldes ist, fiel auf, dass andere Krematorien 10- bis 15-mal mehr Edelmetalle hervorbringen. Das lag auch daran, dass sich im vorliegenden Fall weitere Angestellte das Geschäftsmodell zu Eigen gemacht haben.

Herrenlos, aber nicht berechtigt

Mithilfe von Polizei und einer heimlichen Überwachung seiner Räumlichkeiten flogen die Machenschaften der Mitarbeiter auf. Dem besagten Angestellten wurde gekündigt und Schadenersatz in Höhe von 255.610 Euro für die entwendeten Materialien verlangt. Rechtlich gesehen war man nämlich der Ansicht, Eigentümer am Zahngold geworden zu sein.

Der spätere Kläger sah das völlig anders. Da das Zahngold mittlerweile eine herrenlose Sache sei, gebe es überhaupt keinen Eigentümer mehr, so dass er zur Veräußerung berechtigt gewesen sei. Ein Schaden hätte dem Betreiber demnach auch gar nicht entstehen können.

LAG und BAG entscheiden einheitlich

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamburg sah es anders und bestätigte den Schadensersatzanspruch des Arbeitgebers (Urteil vom 26.06.2013, Az. 5 Sa 110/12). Sobald dem Arbeiter bei der Arbeit ein Vorteil entsteht, besteht eine Herausgabepflicht. Kurioserweise schloss man sich in der Grundfrage der Ansicht des Klägers an, dass es sich bei dem Zahngold um eine herrenlose Sache handelt. Dennoch wurde die Klage sowohl vom LAG, als auch vom BAG abgewiesen.

Entscheidend sei nämlich, dass der Tote mitsamt Zahngold in die Verwahrung des Krematoriums gegeben wurde. Diese rechtliche Bewertung führt wiederum zum Schadensersatzanspruch. Das Verfahren wurde an das LAG zurückverwiesen, da noch nicht endgültig geklärt war, wie viel Gold entwendet wurde und welche Gesellschaft tatsächlich Beklagte ist.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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