Arbeitsrecht

Werkverträge unterlaufen Leiharbeiter-Mindestlohn

Erneut macht ein Unternehmen Schlagzeilen wegen Unterschreitung des Mindestlohns. Laut Berichten des ZDF-Wirtschaftsmagazins WISO sollen Mitarbeiter der zweitgrößten deutschen Lebensmittelkette, REWE, unter dem Mindeslohnniveau bezahlt werden. Werkverträge machen es möglich. Der in Deutschland geltende Mindestlohn für Leiharbeiter liegt bei 7,01€ pro Stunde. Immer wieder versuchen Unternehmen diese Schwelle noch zu unterschreiten.

Im Selbstversuch hatten sich Mitarbeiter des ZDF-Wirtschaftsmagazins auf Stellenausschreibungen des REWE-Konzerns als Regalverräumer beworben. Das vertraglich vereinbarte Entgelt lag teilweise unter 6,00€ pro Stunde.

Werkverträge günstiger als Leiharbeit

Die Werkverträge werden über Dritte Dienstleistungsfirmen abgeschlossen. So können Leistungen auf Werkverträge ausgelagert werden und Hindernisse durch rechtliche Bestimmungen, wie Tarifvereinbarungen und Mindestlohn, umgangen werden. Oftmals spreche die Handhabung in solchen Fällen allerdings für eine bewusste Scheinwerkvertragsgestaltungen, so Professor Düwell, Vorsitzender Richter des Bundesarbeitsgerichts. Beispielsweise dürften Arbeiter mit einem Werkvertrag nur Anweisungen der eigenen Firma entgegennehmen. Der Selbstversuch zeigt, dass das jedenfalls bei REWE nicht der Fall war.

Werkverträge führen zu Hungerlöhnen

Es gehe den Konzernen lediglich um Lohnabbau. Der Lohn sei offensichtlich niedrig – es sei ein Hungerlohn, so der Arbeitsrechtler. Seiner Meinung nach ein klarer Fall für die Staatsanwaltschaft. Leiharbeit sei vielen Konzernen zu teuer geworden, so auch Gerd Denzel von der Vereinten Dienstleistungsgesellschaft, ver.di.

Darüber hinaus stellten die Journalisten weitere schwerwiegende arbeitsrechtliche Verstöße fest. So beinhalteten die Verträge sowohl Ausschlussklauseln für bezahlten Urlaub als auch Lohnabzüge bei unentschuldigten Verspätungen.

Fazit:

Wie auch schon der Fall Netto zeigt, ist Lohndumping auch in Deutschland an der Tagesordnung. Aus diesem Grunde sollten sich betroffene Arbeitnehmer unbedingt von einer Gewerkschaft oder einem auf Arbeitsrecht spezialisierten Rechtsanwalt beraten lassen. Auf Wunsch stehen wir Ihnen hierzu gerne zur Verfügung.

Sicherlich sind auch folgende Beiträge interessant für Sie:

Leiharbeit: Bundesarbeitsgericht gegen Lohndumping bei Christlichen Leiharbeitern

Arbeitsgericht Leipzig: Der niedrige Lohn einer Fachverkäuferin ist sittenwidrig

Lohndumping – und was Arbeitnehmer dagegen unternehmen können

BAG: Lohndumping muss kein Wucher sein

 

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.