Arbeitsrecht

Unzureichend gesicherte Baustellen verpflichten den Vorgesetzten auch gegenüber Leiharbeitern zum Schadensersatz

Aus Zeitnot sehen sich viele Firmen dazu gezwungen Leiharbeiter zur schnellen Fertigstellung der Baustellen hinzuziehen. Oftmals wird hierbei übersehen, dass die auf der Baustelle verantwortlichen Vorgesetzten auch gegenüber Leiharbeitern einigen Sorgfaltspflichten unterworfen sind.

 Unzureichend gesicherte Baustellen verpflichten den Vorgesetzten auch gegenüber Leiharbeitern zum Schadensersatz  ©-cirquedesprit-Fotolia

Unzureichend gesicherte Baustellen verpflichten den Vorgesetzten auch gegenüber Leiharbeitern zum Schadensersatz ©-cirquedesprit-Fotolia

Eine pauschale Exkulpation, wonach die Leiharbeiter sich in Schadensfällen an ihre direkten Vorgesetzten wenden müssen, ist nicht gegeben. Dies bedeutet, dass bei einer möglichen Pflichtverletzung des Vorgesetzten ein Leiharbeiter einen Schadensersatzanspruch direkt gegen den verantwortlichen Baustellenleiter richten darf, ohne sich zunächst an seinen Arbeitgeber halten zu müssen. Einen ähnlichen Fall musste zuletzt das Oberlandesgericht Koblenz entscheiden (Oberlandesgericht Koblenz, Urteil vom 22.05.2014 – 2 U 574/12).
Hierbei wurden Leiharbeiter einem anderen Unternehmen für Montagearbeiten auf einer Baustelle überlassen. Der Vorgesetzte auf der Baustelle traf trotz vorangehender Sicherheitsbedenken, nicht die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen. Als Folge dessen ist ein Leiharbeiter von einer Mauer mehrere Meter in die Tiefe gestürzt und verletzte sich hierbei schwer. Der verunglückte Leiharbeiter erlitt durch den Sturz eine Querschnittslähmung. Das Oberlandesgericht Koblenz entschied, dass der Vorgesetzte zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist.

Haftung wegen fahrlässig herbeigeführtem Versicherungsfall

Als Unfallursache verwies das Gericht auf das Fehlverhalten des Vorgesetzten. Der Vorgesetzte hätte dem verunglückten Leiharbeiter keine gefährlichen Arbeiten auftragen dürfen. Durch dieses Verhalten habe der Vorgesetzte den Unfall fahrlässig herbeigeführt und seine Sorgfaltspflichten als Vorgesetzter in besonders hohem Maße verletzt. Hierfür sei er im selben Rahmen verantwortlich zu machen, wie wenn er diese Arbeiten einem eigenen Angestellten zugewiesen hätte. Dem verunglückten Leiharbeiter sei hierbei keinerlei Verschulden am Unfall zuzumessen, da er lediglich versuchte die ihm aufgetragenen Arbeiten zu erledigen. Demnach sei der Vorgesetzte gegenüber dem Sozialversicherungsträger alleine haftbar zu machen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben | Trackback URL

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×