Arbeitsrecht

Schauspieler protestieren für Tarifvertrag

Vor einem Jahr haben die Tarifverhandlungen zwischen dem Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) und ver.di mit der Produzentenallianz begonnen. Zum ersten Mal sitzen Schauspieler am Verhandlungstisch und fordern künftig tarifliche Untergrenzen für Gagen. Nach dem schleppenden Verlauf der Verhandlungen sind nun etliche Schauspieler in einen „Bummelstreik“ getreten um für einen einheitlichen Tarifvertrag zu protestieren.

Erstes Warnzeichen

Die Protestaktion, die am Donnerstag den 14.07.2011 (genau ein Jahr nach Beginn der Verhandlungen) stattfand, sei nur ein erstes kleines Warnzeichen gewesen, so der BFFS. Viele Schauspieler hatten an verschiedenen Drehorten ihre Mittagspause um 15 „Besinnungsminuten“ verlängert. Der BFFS charakterisiert diese Aktion in einer Pressemitteilung wie folgt: „Wir haben zum ersten Mal unsere Milchzähnchen gezeigt! Wer weiß, was das noch geben kann, wenn erst die „Zweiten“ durchkommen…“

Die Forderungen des BFFS im Originalwortlaut:

Wertschätzung von Qualität: Sie muss wieder mindestens so ernst genommen werden, wie die Quote.

Keine Dumping-Finanzierung: Fiktionale Programme müssen mit einem Etat ausgestattet werden, mit dem sich Qualität produzieren lässt. Inklusive fairer Bezahlung derjenigen, die sie herstellen.

Achtung bestehender Regeln: Arbeitsschutz-, Jugendarbeitsschutz- und Tarifvereinbarungen müssen eingehalten werden.

Durchsetzung der Erlösbeteiligung: Die Filmkreativen müssen für die Schöpfung von Kultur wertgeschätzt werden und an der Verwertungskaskade teilnehmen, wie es das Urhebergesetz verlangt.

 

Keine „Hundegagen“ für Schauspieler

Die von der Produzentenallianz angebotenen Gagenuntergrenzen bewegen sich im Rahmen von 400 bis 500 Euro pro Tag. Gegenüber dem Branchendienst Blickpunkt.Film sagte der BFFS- Vorstandsvorsitzende Michael Brandner: „Filmhunde kosten 350 Euro, Filmkatzen 400 Euro und Filmkühe 450 Euro. Schauspieler wie Filmtiere oder noch geringer zu honorieren, zeugt von einer Geringschätzung der Schauspielerarbeit, die der Branche insgesamt schadet und die sich unsere Kollegen nicht länger gefallen lassen.“

 

Überzogene Forderungen des BFFS

Die Produzentenallianz sieht die Forderungen des BFFS als völlig überzogen an. „Wir haben zuletzt ein Mindesttageshonorar von 500 Euro angeboten und sind auch bereit, eine Sonderregelung für die ausgebildeten oder hauptberuflichen Schauspieler einzu gehen. Die Forderung des BFFS von 1.250 Euro, die ausdrücklich auch für Laiendarsteller oder Schauspielschüler gilt, ist meilenweit von jeder Realität entfernt und mit den bekanntlich extrem knappen Budgets schlicht nicht zu bezahlen,“ werden Dr. Christoph E. Palmer (Gesamtgeschäftsführer der Produzentenallianz) und Prof. Dr. Mathias Schwarz (zuständiger Direktor für Schauspieler-Tarifverhandlungen) in einer Pressemitteilung der Produzentenallianz zitiert.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.