Arbeitsrecht

Mobbing am Arbeitsplatz kann einen Schadensersatzanspruch auslösen

Die Zahl der Mobbingopfer am Arbeitsplatz war gefühlt noch nie so hoch wie heutzutage. In den Medien kursieren immer wieder neue Fälle der Schikane, die bei den betroffenen Mitarbeitern größere psychische Schäden hervorrufen.

 

Bei Mobbing kann Arbeitnehmer Schadensersatz zustehen ©liveostockimages-Fotolia

Bei Mobbing kann Arbeitnehmer Schadensersatz zustehen ©liveostockimages-Fotolia

Speziell am Arbeitsplatz kann das Mobbing für Mitarbeiter besonders belastend sein, da in der Regel die Möglichkeit nicht besteht sich aus dieser Situation zu befreien. Viele Mitarbeiter sind seit Jahren in den Unternehmen tätig und können sich nur schwer einen Neuanfang in einer neuen Firma vorstellen, so dass Sie sich der Schikane notgedrungen über mehrere Jahre aussetzen. Viele Arbeitnehmer sind auch zu alt um auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt einen neue Anstellung zu finden die ihren Qualifikationen entspricht. Als Folge dessen zerbrechen viele unter diesem psychischen Druck und erleiden psychische Erkrankungen. Diese Situation wird von einigen Arbeitgebern bewusst hervorgerufen um ältere und teure Arbeitnehmer, die den Anforderungen nicht mehr ideal entsprechen, zur Kündigung zu bewegen.
Die Arbeitnehmer sind dieser Schikane jedoch nicht hilflos ausgeliefert und können ihrerseits juristisch gegen das Mobbing vorgehen. Sofern der Nachweis der Schikane glückt, stellt dies eine Persönlichkeitsverletzung durch den Arbeitgeber dar, so dass dem Arbeitnehmer unter gewissen Voraussetzungen ein Schadensersatzanspruch gegen den Arbeitgeber zusteht.
In einem ähnlichen Fall klagte ein Arbeitnehmer gegen seinen Arbeitgeber, der ihn systematisch schikaniert hatte. Ihm wurde regelmäßig zu verstehen gegeben, dass er fachlich unqualifiziert und minderwertig sei. Zudem musste er getrennt vom restlichen Personal arbeiten und Aufgaben erledigen die unterhalb seiner beruflichen Qualifikation anzusiedeln waren. Als Folge dessen erkrankte der Arbeitnehmer psychisch und verlor daraufhin wegen der Abwesenheit seinen Arbeitsplatz. Das Gericht sprach ihm einen Schadensersatzanspruch in Höhe von 7000 € wegen einer Verletzung des Persönlichkeitsrechts zu (Arbeitsgericht Siegburg, Urteil vom 11.10.2012 – 1 Ca 1310/12).

Systematische Ausgrenzung verletzt die Würde des Arbeitnehmers

Sofern ein Arbeitnehmer systematisch schikaniert wird um einen Kündigungsgrund herbeizuführen, stellt dies eine Persönlichkeitsverletzung und einen Eingriff in das Grundrecht der Menschenwürde dar. Der dem Urteil zugrunde liegende Sachverhalt beschrieb eine gezielte Ausgrenzung des Arbeitnehmers, so dass die Voraussetzungen für einen Schadensersatzanspruch vorliegen. Die Höhe des Schmerzensgeldanspruchs beträgt in der Regel zwei Brutto-Monatsgehälter.

Arbeitnehmer sind bei Mobbing nicht schutzlos

Diese Entscheidung verdeutlicht, dass betroffene Opfer der Schikane nicht schutzlos ausgeliefert sind. Den Betroffenen ist zu empfehlen einen spezialisierten Rechtsanwalt aufzusuchen um den Sachverhalt zunächst einzuordnen. In einem weiteren Schritt könnten dann alle erforderlichen Maßnahmen getroffen werden um der Schikane ein schnelles Ende zu bereiten.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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