Arbeitsrecht

Mit dem Flieger zum Bewerbungsgespräch

Bequem und schnell, das sind die Argumente, die für die Nutzung eines Flugzeugs sprechen. Etwas zu bequem, meint das Arbeitsgericht Düsseldorf. Flugkosten seien keine vom potenziellen Arbeitgeber, nach § 670 BGB, zu erstattenden Bewerbungskosten.

Zwar sei der Arbeitgeber verpflichtet, erforderliche Aufwendungen eines Bewerbers zu erstatten, Flugkosten seien bei einer Distanz von Hamburg nach Düsseldorf jedoch nicht verhältnismäßig.

Im vorliegenden Fall war ein Bewerber mit Wohnort Hamburg zu einem Vorstellungsgespräch für einen Job als Teamleiter der Abteilung für IT- und Kommunikationstechnik nach Düsseldorf angereist. Nachdem der Bewerber eine Absage erhalten hatte, ersuchte der Kläger die Rückerstattung der entstandenen Anreisekosten in Höhe von 429,62 €. Die Kosten seien, so die Ansicht des Klägers, notwendige erstattungsfähige Aufwendungen nach § 670 BGB, die ihm im Rahmen des Vorstellungsgesprächs entstanden seien.

Keine Erstattung von Mehraufwand durch Flugkosten beim Bewerbungsgespräch

Grundsätzlich werden nach § 670 BGB solche Aufwendungen ersetzt, die der Beauftragte nach den Umständen für erforderlich halten durfte. Zu den erstattungspflichtigen Kosten gehören unter anderem auch Fahrtkosten, die der Bewerber aufwendet, sofern diese zum Zwecke des Aufsuchens des Arbeitgebers erforderlich sind.

Eine Erstattungspflicht, auch von Flugkosten, könne sich grundsätzlich je nach Bedeutung der Stelle auch für kurze Distanzen, in denen die Flugzeugnutzung nicht zwingend notwendig sei, ergeben, so dass das Gericht in seiner Entscheidung vom 15. Mai 2012 (2 Ca 2404/12). Entgegen der Auffassung des Klägers handle es sich hierbei allerdings nicht um eine Stelle, bei der die regelmäßige Nutzung von Flugzeugen üblich, bzw. sozial adäquat sei. Die zu erstattenden Anreisekosten seien ohne Einverständnis des potenziellen Arbeitgebers auf die üblichen Kosten für die Anreise mit dem PKW oder der Bahn beschränkt. Diese habe der Beklagte pflichtgemäß erstattet.

Fazit:

Wer mit dem Flieger zu einem Bewerbungsgespräch anreist, muss für die entstandenen Mehrkosten selbst aufkommen. Nur in besonderen Fällen oder nach Absprache mit dem potenziellen Arbeitgeber kann eine Erstattung der Flugkosten gerechtfertigt sein. Daher sollte die Erstattung der Flugkosten bei einer Anreise mit dem Flugzeug im Vorhinein abgeklärt werden.

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Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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