Arbeitsrecht

LAG Rheinland-Pfalz: Arbeitgeber durfte alkoholabhängigen Mitarbeiter trotz Rückfalls nicht kündigen

Ein Arbeitgeber wird einen alkoholabhängigen Arbeitnehmer auch bei einem Rückfall nicht ohne Weiteres los. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichtes Rheinland-Pfalz. Die Richter entschieden, dass ihm normalerweise die Chance zur erfolgreichen Teilnahme an einer Entziehungskur eingeräumt werden muss.

 

Im vorliegenden Fall war eine stellvertretende Pflegeleiterin zunächst als Kinderkrankenschwester tätig gewesen. Nachdem sie im Laufe von drei Jahren mehrfach aufgrund ihrer Erkrankung gestürzt und aufgrund dessen gefehlt hatte, nahm sie aufgrund eines Mitarbeitergespräches an einer ambulanten Suchttherapie teil. Es kam, wie es kommen musste: Bei der Teilnahme an einer Betriebsfeier wurden alkoholische Getränke angeboten und die Mitarbeiterin erlag ihrer Sucht. Aufgrund der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit kündigte ihr der Arbeitgeber in Form einer Änderungskündigung. Da sie aufgrund des Tarifvertrages nicht ordentlich gekündigt werden konnte, erging eine außerordentliche Kündigung.

 

Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz entschied mit Urteil vom 10.02.2011, dass die Kündigung rechtswidrig gewesen ist Az. 10 Sa 419/10. Denn die Kündigung eines alkoholkranken Mitarbeiters darf nur dann erfolgen, wenn sich eine negative Zukunftsprognose ergibt. Hierbei müssen alle konkreten Umstände des Einzelfalls sorgfältig abgewogen werden. Auch aus einem Rückfall dürfen keine voreiligen Schlüsse gezogen werden. Dem Arbeitnehmer muss normalerweise erst einmal gestattet werden, dass er an einer Entziehungskur teilnimmt.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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