Arbeitsrecht

Kündigung für übergewichtigen Gärtner unwirksam

Hartmut H. erhielt wegen seiner Fettleibigkeit und der damit verbundenen Schwierigkeiten bei der Ausübung seines Berufs als Gärtner von seinem Arbeitgeber eine Kündigung.

Kündigung für übergewichtigen Gärtner unwirksam ©-ferkelraggae-Fotolia

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Hartmut H. arbeitete 30 Jahre lang in dem Gärtnereibetrieb bis ihm sein Arbeitgeber kündigte weil er zu dick sei. Hartmut könne mit seinen 200 Kilo auf 1,94 m weder Leitern hoch klettern noch wichtige Gerätschaften bedienen die für die Arbeit als Landschaftsgärtner essentiell seien, so sein Chef.

Der betroffene Arbeitnehmer hielt diese Kündigung für rechtswidrig und zog vor Gericht. Er behauptete seine Fettleibigkeit sei auf eine Adipositas zurückzuführen und dies stelle eine Behinderung dar. Die Kündigung sei dem zu folge eine Diskriminierung und damit nichtig. Darüber hinaus forderte er 6000 Euro Entschädigung von seinem Arbeitgeber.

Kündigung: Arbeitsgericht Düsseldorf gibt Gärtner Recht

In der ersten Instanz beurteilte nun auch das Arbeitsgericht in Düsseldorf die Kündigung als rechtswidrig. Eine etwaige Entschädigung müsse der Arbeitgeber aber nicht bezahlen (Az.7 Ca 4616/15). Mit diesem Urteil gaben sich die Parteien nicht zufrieden und zogen in die nächste Instanz vor das Landesarbeitsgericht. Hier schlossen Hartmut H. und sein Chef nun einen Vergleich bei welchem dieser weiter in dem Betrieb arbeiten dürfe, sich aber zu einer Gewichtsreduzierung bereit erklären lassen müsse.

Arbeitgeber muss auf individuelle Eigenschaften der Arbeitnehmer Rücksicht nehmen

Schon der EuGH bestätigte 2014, dass Fettleibigkeit als Behinderung gelten kann (C-354/13). Es reicht demnach nicht aus dass der Arbeitgeber darlegt, dass der Arbeitnehmer zu schwer für gewisse Arbeitsmaterialien ist und es zum Beispiel keine Arbeitskleidung  in seiner Größe mehr  gibt, so wie es der Chef von Harmut H. tat. Vielmehr müsse sich der Arbeitgeber auf die Situation einstellen und die Voraussetzungen schaffen damit dieser weiter arbeiten könne. Hier zeigt sich die besondere Verantwortung des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitern wieder. (FS)

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Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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