Arbeitsrecht

Konflikte am Arbeitsplatz müssen noch kein Mobbing sein

Mobbing am Arbeitsplatz ist für die Betroffenen regelmäßig schlimm und belastend. Nach Ansicht von Experten gibt es ein hohes Dunkelfeld, da viele Arbeitnehmer sich aus verschiedenen Gründen nicht helfen lassen wollen. Andere wiederum nehmen diese Vorgänge zum Anlass, vor Gericht auf Schmerzensgeld zu klagen. Zum einen gibt es die Möglichkeit, die Täter direkt in Anspruch zu nehmen oder den Chef, wenn dieser seine Aufsichtspflicht verletzt hat.

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Lediglich überzogene Kritik

Doch nicht immer liegt auch wirklich Mobbing vor. Diese Erfahrung musste eine Betroffene kürzlich vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf machen, das die Klage der Arbeitnehmerin gegen ihren Arbeitgeber abwies. Die Richter waren der Ansicht, dass statt Mobbing lediglich überzogene Kritik vorlag. (Urteil vom 26.03.2013, Az. 17 SA 602/12).

Die 52-jährige Diplom-Ökonomin, bei der Stadt Solingen als Rechnungsprüferin beschäftigt, trug vor, dass sie seit 2008 zunehmend und systematisch schikaniert werde. Zum einen ging es um die Erfassung von Arbeitszeiten, zum anderen wurden angeblich Schulungswünsche nicht bewilligt. Darüber hinaus seien auch ihre Arbeitsleistungen als „Null“ kritisiert worden, mehrere Mitarbeiter sollen sich zudem über ihren mangelnden Horizont lustig gemacht haben.

Klägerin selbst kein Kind von Traurigkeit

Vergeblich. Das Gericht wies die horrende Schmerzensgeldklage in Höhe von 893.000 € ab. Das Verhalten des Vorgesetzten könne sich als Reaktion auf Provokationen der Arbeitnehmerin erweisen. Diese war wohl auch kein Kind von Traurigkeit und sparte nicht mit Vorwürfen. Außerdem stelle nicht jede Kritik, sei sie auch überzogen, eine Persönlichkeitsrechtsverletzung dar.

Dass die Diplom-Ökonomin ein Abwesenheitsbuch führen musste wurde auch nicht beanstandet, da die Mitarbeiter in der Revision keine festen Arbeitszeiten hatten. Die von der Stadt angebotene Mediation lehnte die Klägerin ab, da sie dafür die Bedingung gestellt hatte, dass die Stadt das Mobbing der Vorgesetzten einräumt.

Gesamtabwägung entscheidend

Die Richter betonten, dass sie eine Gesamtabwägung getroffen haben. Eine eindeutige und schikanöse Tendenz habe sich nicht gezeigt. Damit bestätigten sich auch vorangegangene Entscheidungen, deren Tenor war, dass Konflikte am Arbeitsplatz durchaus üblich sind und nicht automatisch Mobbing vorliegt.

 

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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