Arbeitsrecht

Körpergröße als mitentscheidendes Berufskriterium

Die Berufswahl ist für viele Menschen eine der wichtigsten Entscheidungen in ihrem Leben. Eine Fehlentscheidung kann den Lebensverlauf in eine vollkommen ungewollte Richtung lenken und zu schwerwiegenden Nachteilen führen. Umso sorgfältiger sollte daher die Berufswahl überlegt sein. Einigen fest entschlossenen Bewerbern wird jedoch die Berufswahl abgenommen. Dies ist beispielsweise in den Berufen der Fall, in denen besondere Qualifikationen verlangt werden. Besonders enttäuschend sind die Fälle, in denen der Bewerber die Voraussetzungen aufgrund von Vorgaben auf die er keinen Einfluss nehmen kann, unmöglich erfüllen kann.Ein solcher Fall musste kürzlich vom Arbeitsgericht Köln entschieden werden.

Diskrimierung aufgrund der Körpergröße eines Bewerbers ist unzulässig  ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Diskrimierung aufgrund der Körpergröße eines Bewerbers ist unzulässig ©-ferkelraggae-Fotolia-Fotolia_31081868_XS

Hierbei hat eine Frau geklagt, die aufgrund ihrer zu geringen Körpergröße keine Ausbildungsstelle als Pilotin erhalten hat (Arbeitsgericht Köln, Urteil vom 28.11.2013 – 15 Ca 3879/13). Sie hat lediglich eine Größe von ca. 162 cm aufgewiesen und damit die Mindestvoraussetzung von einer Körpergröße von 165 cm nicht erbracht.

Körpergröße als Berufsvoraussetzung stellt einen mittelbaren Verstoß gegen die Gleichberechtigung dar

Gegen diese Voraussetzung ist die angehende Auszubildende gerichtlich vorgegangen, da sie sich in ihrem Recht auf Gleichberechtigung verletzt fühlte.

Dieser Ansicht ist auch das Arbeitsgericht Köln gefolgt. Schließlich gilt die Voraussetzung, wonach die Mitarbeiter eine Körpergröße zwischen 165 und 198 cm aufweisen müssen uneingeschränkt für Pilotinnen und Piloten. Naturgemäß sind im Vergleich deutlich mehr Frauen kleiner als 165 cm. Der Umstand, dass Männer in der Regel größer als 165 cm sind, stellt daher eine mittelbare Diskriminierung für Frauen dar, so das eine Verletzung des Grundrechts auf Gleichberechtigung zu bejahen ist. Zudem wirkt die Bestimmung der Körpergröße als Einstellungsvoraussetzung willkürlich festgelegt, da vergleichbare Konkurrenzunternehmen bereits eine Körpergröße von 160 cm als ausreichend betrachten.

Folgen der Entscheidung

Neben der Feststellung der Rechtswidrigkeit der Einstellungsvoraussetzungen begehrte die Klägerin Schadensersatz für ihre entstandenen Nachteile. Zwar stellte das Arbeitsgericht die mittelbare Diskriminierung fest, jedoch wurde der Klägerin kein Schadensersatzanspruch zugesprochen. Dies wurde damit begründet, dass der Klägerin kein vermögenswerter Schaden entstanden war. Vielmehr hätte die Klägerin bei der Eingehung eines Ausbildungsverhältnisses ihrerseits einen beachtlichen Betrag aufwenden müssen. Ferner konnte dem Unternehmen bei der Festsetzung der Einstellungsvoraussetzungen weder ein vorsätzliches noch ein fahrlässiges Verhalten nachgewiesen werden, so dass auch ein Entschädigungsanspruch ausscheidet.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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