Arbeitsrecht

Keine Altersdiskriminierung bei „werbender Stellenanzeige“!

Die Art und Weise von Stellenausschreibungen beschäftigen die Gerichte seit einigen Jahren. Insbesondere aufgrund des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und dessen § 10, der eine unterschiedliche Behandlung von jungen und älteren Menschen nur zulässt, wenn sie objektiv und angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt ist. Das Landesarbeitsgericht Nürnberg hat mit einer kürzlich veröffentlichten Entscheidung für weitere Rechtsklarheit gesorgt.



Das Landesarbeitsgericht Nürnberg entschied mit Urteil vom 26.07.2012 (Az. 2 Sa 574/11), dass es nicht altersdiskriminierend sei, wenn ein Arbeitgeber in einer Stellenanzeige einen „zukunftssicheren Arbeitsplatz in einem jungen motivierten Team“ anbietet. Es handele sich dabei nicht um die Suche nach einem jungen Stellenbewerber, gegeben sei vielmehr eine werbende Selbstdarstellung des Unternehmens.

 

Ein 59-jähriger Bilanzbuchhalter hatte sich im Jahr 2010 auf die Stelle eines Autohauses als Finanzbuchhalter beworben und eine Absage erhalten. Er argumentierte daraufhin, die Ausschreibung „in einem jungen Team“ impliziere, dass potenzielle Neuzugänge ebenfalls jung sein müssten und ältere Bewerber wie er per se ausgeschlossen seien. Aufgrund dessen forderte er wegen unzulässiger Altersdiskriminierung eine Entschädigung in Höhe von drei Monatsgehältern, mindestens aber 7.500 €.

 

Das Autohaus war dagegen der Meinung, dass es sich bei der Formulierung „junges Team“ um eine reine Selbstdarstellung handele. Es sei vielmehr so, dass der Altersdurchschnitt in der hauseigenen Buchhaltung bei fast 50 Jahren liege und so von einem „Jugendwahn“ nicht gesprochen werden könne. Vielmehr sei der von dem Bewerber übersandte „ungeordnete Lebenslauf“ hauptverantwortlich für die Absage gewesen.

 

Dem folgte das Landesarbeitsgericht, womit dem Bilanzbuchhalter eine Entschädigung wegen Altersdiskriminierung verwehrt bleibt. Ausschlaggebend dafür sei die ausschließlich werbende Selbstdarstellung. Die Absage erfolgte dagegen aufgrund der „völlig nichtssagenden“ Bewerbung des 59-jährigen. Das fränkische Gericht betonte aber zugleich nochmal das, was in der jüngeren Vergangenheit bereits andere Gerichtsurteile gezeigt haben: Die Suche eines Arbeitgebers nach jungen Bewerbern ist und bleibt unzulässig!

 

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Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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