Arbeitsrecht

Kein Arbeitsunfall bei Verletzung im Homeoffice

Das Unternehmen haftet nicht für Verletzungen, die sich Mitarbeiter im Homeoffice zuziehen. Das entschied das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel (Az: B 2 U 5/15 R) vergangenen Dienstag und wies damit die Klage einer Frau ab, die sich während der Arbeitszeit zuhause eine Verletzung zugezogen hatte.

 Kein Arbeitsunfall bei Verletzung im Homeoffice ©-cirquedesprit-Fotolia

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Die Klägerin hatte mit ihrem Arbeitgeber vereinbart, dass sie von ihrem Arbeitszimmer aus arbeitet, das sich im Dachgeschoss ihrer Wohnung befand. Sie ging in die ein Stockwerk tiefer liegende Küche, um sich Wasser zu holen. Dabei rutschte sie auf der Treppe aus und brach sich den Fuß.

Wasser holen ist eigenwirtschaftliche Tätigkeit

Das BSG ist der Ansicht, dass darin kein Arbeitsunfall zu sehen sei. Die Frau habe sich nicht auf einem Betriebsweg befunden, sondern sei einer typischen eigenwirtschaftlichen, nicht versicherten Tätigkeit nachgegangen.

Unterschiede zwischen häuslichem und betrieblichem Arbeitsplatz ergäben sich laut der Kasseler Richter unter anderem insoweit, als die Nahrungsaufnahme bei letzterem in die betrieblichen Abläufe integriert sei und deshalb der Arbeitgeber auch die Verantwortung für die Gestaltung und Sicherheit der Wege trage. Bei einem Arbeitsplatz zuhause hingegen bestünden in der Regel keine betrieblichen Zwänge im Sinne von Pausenregelungen oder ähnlichem. So konnte auch im konkreten Fall die Klägerin sich Wasser holen wann immer sie wollte.  Außerdem sei die Wohnung eine rein private Lebenssphäre. Die Gestaltung der Räumlichkeiten erfolge allein durch den Arbeitnehmer selbst. Weder der Arbeitgeber noch die Berufsgenossenschaft könne darauf gefahrpräventiv Einfluss nehmen.

Arbeitsunfall: Finanzielle Konsequenzen

Die Frage, ob es sich um einen Arbeitsunfall handelt, hat für die Betroffenen in erster Linie finanzielle Relevanz. Für die Behandlungskosten nach einem Arbeitsunfall kommt die Berufsgenossenschaft, d.h. die gesetzliche Unfallversicherung des Unternehmens auf. Handelt es sich nicht um einen Arbeitsunfall und hat der Betroffene keine private Unfallversicherung abgeschlossen, muss er für Kosten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden, selbst aufkommen. (FRB)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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