Arbeitsrecht

Kann ein bestimmtes Hobby des Arbeitnehmers zur Kündigung führen?

Die Erzieherin eines Behindertenheims der evangelischen Diakonie dreht in ihrer Freizeit pornografische Filme und wird gekündigt, als ihr Arbeitgeber von diesem ungewöhnlichen Hobby erfährt. Der Fall liegt gerade beim Arbeitsgericht Augsburg und führt zu der Frage, wieviel Mitspracherecht ein Arbeitgeber in Bezug auf die Hobbies seiner Mitarbeiter hat. Müssen sich Arbeitnehmer wirklich für ihre Freizeit rechtfertigen und notfalls mit einer Kündigung rechnen?

Hobby darf nicht dem Unternehmen schaden

Arbeitgeber können durchaus ein Interesse daran haben ein bestimmtes Hobby ihres Arbeitnehmers zu verbieten, wenn sich dieses negativ auf das Unternehmen auswirkt. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Hobby des Arbeitnehmers dazu führt, dass Kunden vergrault werden. Schadet das Verhalten eines Arbeitnehmers dem Ruf des Unternehmens, sind rechtliche Schritte wie eine Abmahnung oder Kündigung nicht auszuschließen. Wann eine Kündigung, die immer als letztes Mittel gilt, gerechtfertigt ist, kann unter anderem davon abhängen in welcher Position der Arbeitnehmer steht. Eine Führungskraft muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit strengeren Konsequenzen rechnen, denn ihr Handeln dringt eher an die Öffentlichkeit und ist mitunter entscheidend für die Außendarstellung des Unternehmens.

Abwägung im Einzelfall

In jedem Fall muss immer eine Abwägung stattfinden zwischen den Interessen des Arbeitgebers am Schutz seines Unternehmens und dem Interesse des Arbeitnehmers an einer freien Freizeitgestaltung. Die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wozu auch die freie Ausübung von Hobbies gehört, ist nämlich durch Art. 2 des Grundgesetzes geschützt.

Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet den Arbeitgeber in Kenntnis zu setzen

Für Arbeitnehmer besteht keine gesetzliche Pflicht den Arbeitgeber über ihr Hobby zu informieren. Allerdings kann ein gefährliches Hobby zu Konsequenzen führen, wenn es um die Entgeltfortzahlung nach einem Unfall geht. Das Bundesarbeitsgericht hat festgelegt, dass Arbeitnehmer in drei Fällen für den Arbeitsausfall haften. Erstens, wenn diese eine besonders gefährliche Sportart betreiben, zweitens, wenn diese in besonders leichtsinniger Weise eine Sportart ausgeübt haben und drittens, wenn eine deutliche Selbstüberschätzung zum Unfall geführt hat. Als besonders gefährlich gilt ein Sport, wenn das Verletzungsrisiko so hoch ist, dass selbst ein gut ausgebildeter Sportler das Risiko nicht vermeiden kann. Bisher wurde keine Sportart vom BAG explizit als besonders gefährlich eingestuft. Hier besteht also noch eine rechtliche Unsicherheit.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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