Arbeitsrecht

Geld aus der Kasse genommen: Kündigung ohne Abmahnung zulässig

Einer Arbeitnehmerin darf bei einem Griff in die Unternehmenskasse unter gewissen Umständen auch ohne Abmahnung eine Kündigung erhalten. Das hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Mainz (Urt. v. 20.11.2014, Az. 5 Sa 386/14) entschieden.

 Geld aus der Kasse genommen: Kündigung ohne Abmahnung zulässig©-ferkelraggae-Fotolia

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Folgendes war passiert: Die klagende Mitarbeiterin war bei einem Landschaftsverband angestellt. Im Juni 2013 nahm sie ohne Wissen der Vorgesetzten zweimal einen Geldbetrag aus der Bargeldkasse, insgesamt in Höhe von 445,59 Euro. Einen Tag später überwies sie das Geld jeweils zurück. Als der Arbeitgeber vom gesamten Vorgang Wind bekam, kündigte er der Arbeitnehmerin ordentlich und fristgerecht. Die Klägerin war der Meinung, dass die Kündigung unwirksam sei. Sie gestand die Geldentnahme ein, es hätte jedoch schon einer vorherigen Abmahnung bedurft.

AG: Kein Schaden, Abmahnung erforderlich

Das Arbeitsgericht Mainz hat der Klage auch stattgegeben, da es sich zwar um Pflichtverletzungen handele, zu einem Schaden hätte das Verhalten der Klägerin nicht geführt, da die Barkasse keine Erträge erwirtschafte. Ihr sei zudem keine Schädigungs- und Bereicherungsabsicht nachzuweisen.

Auf die Berufung des Beklagten hob das LAG das Urteil auf und bewertete die Kündigung als rechtmäßig. Die vertraglichen Hauptpflichten der Arbeitnehmerin seien erheblich verletzt worden. Es sei nicht nur ein Formfehler gewesen, sondern ein massiver Vertrauensmissbrauch.

LAG: Kündigung wegen massivem Vertrauensmissbrauch

Eine Abmahnung sei in den Fällen erforderlich, in denen es dem Arbeitgeber zumutbar ist, dem Arbeitnehmer die Pflichtwidrigkeit seines Verhaltens sowie die Einordnung dieses Verhaltens durch den Arbeitgeber aufzuzeigen. Unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes sei eine Abmahnung vorliegend entbehrlich gewesen, da der Klägerin hätte bewusst sein müssen, dass sie durch derartige Eigenmächtigkeiten im Umgang mit Geld ihren Arbeitsplatz, gerade in der Finanzabteilung, aufs Spiel setzt.

Das Urteil zeigt, dass sich Arbeitnehmer nicht darauf verlassen sollten, dass bei der ersten Pflichtverletzung zunächst eine Kündigung ausgesprochen werden muss. Das ist zwar der Regelfall, ist die Pflichtverletzung aber schwerwiegend wie bei einer Straftat zu Lasten ihres Arbeitgebers, kann die Kündigung auch direkt erfolgen.

 

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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