Arbeitsrecht

Fristlose Kündigung: Verkäuferin entwendet WM-Fußballbildchen

Die Arbeitnehmerin eines Einzelhandelsgeschäfts wollte zu Archivierungszwecken einen Karton mit nach Hause nehmen. Als „Dank“ erhielt sie vom Arbeitgeber die fristlose Kündigung. Denn in diesem Karton war ein weiterer kleiner Karton mit Fußballsammelbildern, den die Arbeitnehmerin für leer hielt.

Fristlose Kündigung: Verkäuferin entwendet WM-Fußballbildchen ©-ferkelraggae-Fotolia

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Arbeitnehmerin entsorgt Altkartons und wird gekündigt

Die 36jährige Klägerin ist seit 16 Jahren als Mitarbeiterin im Einzelhandelsgeschäft des beklagten Arbeitgebers beschäftigt. Zu ihrer Tätigkeiten an der Kasse, gehörten zudem zahlreiche weitere Aufgaben, darunter das Abschließen des Geschäftes nach Feierabend, Geldtransporte zur Bank und die Führung der Drogerieabteilung.
Am 9. Mai 2014 entsorgte die Klägerin Altpapier und Altkartons in der sich auf dem Parkplatz des Supermarktes befindenden Papierpresse. Nachdem sie einen der Kartons hin- und her geschüttelt hatte, legte sie diesen in den Kofferraum ihres auf dem Parkplatz abgestellten Pkw. Der Arbeitgeber nahm dies über das im Betrieb und auch im Parkplatzbereich installierte Kamerasystem wahr, konfrontierte die Klägerin damit und nahm gemeinsam mit ihr den im Kofferraum befindlichen mittelgroßen Karton in Augenschein.

In diesem befand sich ein weiterer kleinerer Karton mit Fußballsammelbildern. Diese Sammelbilder erwirbt der Arbeitgeber zu einem Preis von 8 Euro pro Karton. Ab einem Einkauf von 10 Euro erhalten die Kunden des Arbeitgebers gratis an der Kasse die Fußballsammelbilder. Der Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis mit der Klägerin fristlos. Dagegen hat die Klägerin vor dem Arbeitsgericht Mönchengladbach Kündigungsschutzklage erhoben.

Die Argumente der Arbeitnehmerin

Die Klägerin behauptet, nicht bemerkt zu haben, dass sich in dem mittelgroßen Karton etwas befunden habe. Auch beim Schütteln habe sie nichts bemerkt. Sie habe den Karton für leer gehalten und habe ihn zu Archivierungszwecken mit nach Hause nehmen wollen. Aufgrund des geringen Wertes der Fußballbilder sei die fristlose Kündigung unverhältnismäßig, so die Klägerin weiter.

Die Argumente des Arbeitgebers für die Kündigung

Der Arbeitgeber trägt dagegen vor, der Klägerin sei der Inhalt des Kartons durchaus bekannt gewesen. Das Gewicht der Fußballbilder (fast 1,3 kg) habe sie bemerken müssen. Die Klägerin habe eine besondere Vertrauensstellung inne, welches nunmehr irreparabel zerstört sei.

Gütetermin

Das Arbeitsgericht Mönchengladbach gab im Gütetermin den Hinweis, dass die Entscheidung des Rechtsstreits u.a. davon abhängen wird, ob der Klägerin der Inhalt des Kartons bewusst war und davon, welches Ergebnis die im Rahmen eines Kündigungsschutzverfahrens stets durchzuführende Interessenabwägung hat. Über diese Fragen wird in einem weiteren Termin entschieden. Zur Anberaumung eines Kammertermins kam es nicht, da sich die Parteien widerruflich auf eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses verständigt haben.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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