Arbeitsrecht

Fehlüberweisung von 222 Millionen kostet Bankmitarbeiterin nicht den Job

Weil der Kollege einen Sekundenschlaf einlegte, sollte eine Bankangestellte gefeuert werden. Klingt komisch, stimmt aber tatsächlich. Weil die Zahl 222.222.222,22 Euro in den Umlauf kam und die Arbeitnehmerin dies nicht verhinderte, wollte sie ihr Arbeitgeber fristlos kündigen. Zu Unrecht, entschied das Hessische Landesarbeitsgericht (LAG).

Fehlüberweisung führt nicht zur Kündigung © ferkelraggae-Fotolia

Fehlüberweisung führt nicht zur Kündigung © ferkelraggae-Fotolia

Fristlose Kündigung

Was war passiert? Auslöser der ganzen Geschichte war das eigentlich harmlose Verlangen eines Rentners bezüglich einer Überweisung. Dabei ging es auch nicht um Millionenbeträge, sondern um ganze 64,20 Euro. Der anscheinend übernächtigte Mitarbeiter nickte auf der Tastatur seines Computers ein, genauer gesagt auf der Ziffer 2. Heraus kam die besagte elf-stellige Zahl. Streitgegenständlich ging es aber um seine 48-jährige Kollegin, die die entsprechenden Belege kontrollieren sollte.

Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung

Das tat sie nach Ansicht ihres Arbeitgebers augenscheinlich mehr schlecht als recht, so dass die fristlose Kündigung ausgesprochen wurde. Begründet wurde diese damit, dass die Frau die Belege gar nicht kontrolliert habe, da ihr der Fehler ansonsten hätte auffallen müssen. Der Vorwurf hieß somit vorsätzliche Täuschung der Arbeitsleistung. In der ersten Instanz schlossen sich die Richter dieser Ansicht nicht an.

Ebenso wenig das LAG, wie das Urteil vom 07.02.2013 (Az.: 9 Sa 1315/12) zeigt. Zu Gunsten der Betroffenen konnte angeführt werden, dass sie seit 1986 in der Bank arbeitet und bis dato nicht negativ aufgefallen war. Nach der etwas eigenwilligen Bearbeitung des Arbeitskollegen sah es das Gericht zwar als erwiesen an, dass sie die Kontrolle des Belegs unterließ. Auch wenn das ein schwerer Fehler gewesen sei, liege noch lange keine vorsätzliche Schädigung oder vorsätzliche Manipulation des Arbeitsablaufs vor.

Keine negative Prognose

Auch eine ordentliche Kündigung wurde nicht akzeptiert, da vorher eine Abmahnung hätte erfolgen müssen. Für die Zukunft ergebe sich keine negative Prognose, so dass eine den Betriebszwecken dienliche Zusammenarbeit weiterhin möglich sei. Ob der schlafende Kollege ebenso glimpflich davon kam, ist übrigens nicht überliefert.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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