Arbeitsrecht

Fußballwelt atmet auf – Spieler dürfen befristet beschäftigt werden

Heinz Müller, früherer Torwart beim deutschen Bundesligisten 1. FSV Mainz 05, hatte im März 2015 vor dem Arbeitsgericht Mainz erfolgreich auf den unbefristeten Fortbestand seines Arbeitsverhältnisses geklagt. Am 16.02.2016 fand nun die Berufungsverhandlung vor dem Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz statt. Die entscheidende rechtliche Frage war, ob Fußballer wie normale Arbeitnehmer zu behandeln sind.

[UPDATE]: Die Fußballwelt atmet auf! Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz hat entschieden, dass Fußballvereine die eigenen Spieler auch weiterhin nur befristet anstellen dürfen. Die Klage von Heinz Müller auf Feststellung des unbefristeten Fortbestandes seines Arbeitsvertrages wurde in allen Punkten abgewiesen.

Sind Fußballer normale Angestellte?

Die ganze Fußballwelt blickte gespannt nach Rheinland-Pfalz. Das Landesarbeitsgericht musste sich mit der Frage beschäftigen, ob Fußballer als normale Arbeitnehmer gelten oder die Besonderheiten des Profisports wiederholte befristete Arbeitsverträge sachlich rechtfertigen. Das Arbeitsgericht Mainzhatte in der Vorinstanz entschieden, dass die Befristung von Müllers letztem Arbeitsvertrag unzulässig gewesen ist und Fußballer wie normale Arbeitnehmer zu behandeln seien.

Befristete Anstellung als Fußballer sachlich gerechtfertigt

Richter Michael Bernardi entschied nun in der Berufungsinstanz, dass Arbeitsverhältnisse im Profifußball durch Besonderheiten gekennzeichnet seien. Das Gericht argumentierte, dass es im Profisport nicht vorhersehbare Umstände gebe, die dazu führen könnten, dass einzelne Spieler nicht mehr im Spielbetrieb eingesetzt werden könnten. Neben dem Alter und der Leistungsfähigkeit eines Spielers, müssten im Fußball auch Trainerwechsel, taktische Erwägungen und geplante Anpassungen des Leistungsniveaus sowie der Altersstruktur einer Mannschaft beachtet werden. Die unbefristete Anstellung von Fußballspielern, würde Kündigungen seitens der Vereine erheblich erschweren. Daher bestehe ein berechtigtes Interesse von Vereinen nur unbefristete Arbeitsverträge mit Lizenzspielern zu schließen. Im Ergebnis sei die Befristung des Arbeitsvertrages von Heinz Müller daher aufgrund einer ausreichenden sachlichen Rechtfertigung zulässig gewesen.

Revisionsverhandlung vor dem Bundesarbeitsgericht möglich

Harald Strutz, Manager vom 1. FSV Mainz 05, sagte, dass dieser Tag eine große Bedeutung für den ganzen Profisport habe. Christian Heidel, Manager des Mainzer Fußballvereins, betonte, dass eine andere Entscheidung das gesamte weltweite System aus den Angeln gehoben hätte und einige Vereine existenzbedroht gewesen wären.

Heinz Müller hat sich nach der Verhandlung nicht geäußert. Sein Anwalt Horst Kletkebetonte, dass er nicht von einer Niederlage spreche, sondern die Urteilsgründe prüfen werde. Danach werde man entscheiden, ob man in Revision gehe. Die nächste Verhandlung würde dann vor dem Bundesarbeitsgericht stattfinden. [UPDATE ENDE]

Zur Vorgeschichte:

Heinz Müllers befristeter Arbeitsvertrag wurde vom 1. FSV Mainz 05 nicht verlängert, da er nicht die im Arbeitsvertrag festgeschriebene Anzahl an Spieleinsätzen für eine automatische Vertragsverlängerung erreicht hatte.

Keine automatische Vertragsverlängerung wegen zu weniger Einsätze

Heinz Müller war seit 2009 Torwart beim Bundesligisten 1. FSV Mainz 05. Unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel hatte er sich im Herbst der Saison 2013/2014 eine Verletzung zugezogen und musste längere Zeit pausieren. In dieser Zeit hatte Tuchel den Ersatztorwart Loris Karius zum Stammspieler befördert. Müller durfte nach seiner Genesung nicht wieder im Profikader spielen. Zwischen Müller und dem 1. FSV Mainz 05 war arbeitsvertraglich geregelt, dass sich der Arbeitsvertrag automatisch verlängert, wenn Müller eine gewisse Anzahl an Spieleinsätzen erreicht. Da Müller nach seiner Genesung nur noch auf der Tribüne saß, hatte er die nötige Anzahl an Spieleinsätzen für eine automatische Vertragsverlängerung nicht erreicht, so dass Heinz Müller nach Ende der Spielsaison keinen Arbeitsvertrag mehr hatte.

Klage vor dem Arbeitsgericht Mainz

Müller wollte die Situation nicht hinnehmen und hat vor dem Arbeitsgericht Mainz geklagt. Er forderte einen Verdienstausfall in Höhe von 429.000 Euro und die Feststellung, dass sein Arbeitsverhältnis unbefristet weiter bestehe. Den erhofften Verdienstausfall hat Müller nicht zugesprochen bekommen. Jedoch hat das Arbeitsgericht Mainz entschieden, dass die Befristung des Arbeitsverhältnisses von Heinz Müller unzulässig gewesen sei. Das Gericht betonte dabei, dass die Befristung von Arbeitsverträgen grundsätzlich nur im Rahmen von zwei Jahren zulässig sei. Rechtlicher Hintergrund ist das geltende „Teilzeit und Befristungsgesetz“. Dieses soll die Chancen von Arbeitnehmern verbessern eine dauerhafte Anstellung zu finden.

Befristung von Arbeitsverträgen gesetzlich geregelt

Arbeitgeber dürfen Angestellte grundsätzlich nicht wiederholt befristet einstellen und müssen eine maximale Befristungsdauer des Arbeitsverhältnisses von 2 Jahren einhalten. Müller und der 1. FSV Mainz 05 haben den ersten Arbeitsvertrag jedoch bereits 2009 geschlossen. Die Befristung des Arbeitsverhältnisses sei daher unzulässig gewesen. Nach Ansicht des Gerichts, sei die Ungewissheit der zukünftigen Leistungsentwicklung im Profisport keine ausreichende Begründung für eine nur befristete Anstellung.

Arbeitsverträge im Profisport

Nicht nur im Fußballgeschäft sind befristete Arbeitsverträge üblich. Im gesamten weltweiten Profisport werden Spitzensportler meist nur über den Zeitraum von einigen Jahren an einen bestimmten Sportverein gebunden. Üblicherweise wird mit dem Abschluss eines Arbeitsvertragesgleichzeitig auch eine fixe Ablösesumme vereinbart, die ein anderer Verein zahlen muss, sofern ein Verein einen Spieler vor Ende des befristeten Arbeitsvertrages unter Vertrag nehmen möchte.

Berufungsverhandlung vor dem Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz

Am Mittwoch um 11 Uhr findet nun die Berufungsverhandlung vor dem Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz statt. Der 1. FSV Mainz 05 und die gesamte Fußballwelt blicken gespannt auf das Urteil. Die entscheidende rechtliche Frage ist, ob Fußballer wie normale Arbeitnehmer zu behandeln sind. Nimmt man an, dass Spitzensportler Arbeitnehmer im Sinne des deutschen Gesetzes sind, werden Vereine Arbeitsverträge mit Spielern nur noch einmalig auf zwei Jahre befristen dürfen. Nach Ende der Befristungshöchstdauer müssten die Arbeitsverträge dann in unbefristete Arbeitsverhältnisse gewandelt werden.

Unbefristete Arbeitsverträge im Spitzensport ermöglichen Kündigungen

Bestätigt das Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz die Entscheidung, dass die Befristung des Arbeitsverhältnisses von Heinz Müller unwirksam war, droht die gesamte Fußballwirtschaft ins Wanken zu geraten. Fußballer könnten dann – wie normale Arbeitnehmer – unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen kündigen. Die Vereine jedoch würden die Regeln des Kündigungsschutzgesetzes einhalten müssen. Fristgerechte Kündigungen könnten nur noch aus betriebs-, personen- oder verhaltensbedingten Gründen erfolgen. Für Spielertransfers würde dies weitreichende Konsequenzen haben. Spielertransfers könnten dann ganz ohne die Zahlung von Ablösesummen in schwindelerregenden Höhen stattfinden, da Spieler die eigenen Arbeitsverträge einfach einseitig kündigen und einen Arbeitsvertrag bei einem neuen Verein unterschreiben könnten.

Deutsche Fußball Liga verneint übliche Arbeitnehmertätigkeit

Die Deutsche Fußball Liga ist der Meinung, dass Spitzenfußballer keine normalen Arbeitnehmer seien. Jürgen Paepke, Direktor für Recht bei der DFL sagt, dass Fußball eine laufintensive Kontaktsportart sei. Auf professionellem Niveau könne ein Spieler aufgrund der nachlassenden körperlichen Leistungsfähigkeit und aufgrund sportartbedingter Verschleißerscheinungen von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen etwa 10 bis 15 Jahre längstens bis Mitte 30 spielen. Daher seien Arbeitsverträge mit Spitzensportlern nicht auf eine dauerhafte Beschäftigung angelegt. Paepke sieht die Situation noch gelassen und betont, dass die feste Überzeugung bestehe, dass das Landarbeitsgericht angesichts der Eigenarten der Arbeitsleistung eines Berufsfuß0ballsielers und der Besonderheiten des profesionellen Mannschaftsports befristete Verträge für zulässig erachtet.

Gang vor den Europäischen Gerichtshof möglich

Sollte das Arbeitsgericht Rheinland-Pfalz die vorherige Entscheidung bekräftigen, würde dem Fußballverein 1. FSV Mainz 05 der weitere Gang vor den Bundesgerichtshof und letztlich den Europäischen Gerichtshof offen stehen. Der Fall erinnert in seiner möglichen Tragweite an das „Bosmann-Urteil“. Im Jahre 1995 hatte der Fußballer Jean-Marc Bosmann vor dem Europäischen Gerichtshof erreicht, dass Fußballspieler nach dem Ablauf des eigenen Vertrages ablösefrei den Verein wechseln dürfen. Jahrzehntelang üblich war es, dass Vereine für Spielerverkäufe auch nach Vertragsende noch Ablösesummen gefordert haben. Spieler waren so in der Vereinswahl enorm eingeschränkt. Das „Bosmann-Urteil“ hatte das Machtverhältnis zwischen Vereinen und Spielern eindeutig zu Gunsten der Sportler verschoben. Sollte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz am Mittwoch die Fortdauer des Arbeitsverhältnisses von Heinz Müller bestätigen, drohen ähnlich weitreichende Konsequenzen wie nach dem „Bosmann-Urteil“.

(NiH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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