Arbeitsrecht

BV stellt Forderungskatalog für Tarifverhandlungen

Im Zuge der laufenden Tarifverhandlungen zwischen ver.di und der Produktionswirtschaft hat die Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände (BV), selbst kein Tarifpartner, ein Positionspapier mit Forderungen zur Entwicklung von fairen Arbeitsbedingungen veröffentlicht.

Deutliche Anhebung der Vergütung

Der Dachverband setzt sich vor allem für eine bessere Vergütung ein: Insgesamt 16% mehr Gage fordert der BV für die Filmschaffenden, die über einen für alle Positionen gleichen Sockelbetrag und eine darüber hinausgehende prozentuale Erhöhung realisiert werden sollte, so die Publikation der BV. Durch nur marginale Gagenerhöhung bei mehreren Tarifrunden werde in Deutschland ein Filmschaffender – im Gegensatz zu Festangestellten bei deutschen TV-Sendern, aber auch im internationalen Vergleich – unterdurchschnittlich bezahlt.

Die Einkommenszuwächse der Filmschaffenden würden zudem seit zwei Jahrzehnten unterhalb der Inflationsrate für diesen Zeitraum liegen, so die Meldung weiter. Auch verkürzte Beschäftigungszeiträume seien ein Problem.

Tägliche Arbeitszeit

Auch in punkto Arbeitszeit sieht der BV dringenden Handlungsbedarf und fordert die dem deutschen Arbeitszeitgesetz entsprechende, maximale Tagesarbeitszeit von 10 Stunden. Eine Netto-Arbeitszeit von 10 Stunden pro Tag sei das Maximum des regelmäßig Zumutbaren, so das Papier weiter. Eine längere Arbeitszeit solle künftig nur mit besonders begründeten und zum Nachweis schriftlich dokumentierten Ausnahmefällen erlaubt sein. In diesem Fall wären Aufzeichnungen über Pausenzeiten und Bereitschaftszeiten aufzuschreiben, die zu Kontrollzwecken durch die Behörden unter Nennung des verantwortlichen Entscheiders aufbewahrt werden müssen, so die Forderung des BV.

Einhaltung von Regelungen des deutschen Arbeits- und Sozialrechts

Im Tarifvertrag sollen künftig auch deutliche Hinweise in Bezug auf das Arbeits- und Sozialrecht verankert sein und gegebenenfalls sogar wirksame Sanktionsmechanismen. Bei längeren Arbeitszeiten oder Wegfall bzw. Verkürzung der Pause solle dies als bezugschlagte Zeiten verbucht werden. Diese über das Arbeitszeitkonto angerechneten zusätzlichen Zeiten führen zu ergänzenden Zahlungen (z.B. mit Überstundenzuschlägen oder Nacht-, Sonntags- bzw. Feiertagszuschlägen). Sanktionen sollte es, beispielsweise bei fehlenden Arbeitszeitkonten, in Form eines Tarifzuschlags geben, wenn der Filmschaffende keine Anschlussproduktion nachweisen kann. Zwar sei das AZK bereits im geltenden Tarifvertrag festgeschrieben, doch werde es Filmschaffenden oft nicht gewährt, etwa aufgrund der unwahren Unterstellung von Anschlussproduktionen, so das Papier. Auch bei tageweise oder unständigen Beschäftigten müsse die gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden.

Desweiteren fordert die BV, dass bei Überschreitung der gesetzlichen maximalen Arbeitszeit bei Pauschalverträgen eine Abrechnung mindestens auf tarifvertraglicher Basis verpflichtend sei. Zudem solle künftig ein Produktionssprecher als Vertrauensperson zwischen Produktion und Team gewählt werden.

Das gesamte Positionspapier mit weiteren, als notwendig geforderten Präzisierungen finden Sie hier.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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