Arbeitsrecht

BFH: „Big Brother“-Gewinner muss Prämie versteuern

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs müssen Gewinne, die Kandidaten in Reality-Shows wie “Big Brother” erzielen, als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit versteuert werden.

Als im Jahr 2000 die erste Staffel der Container-Show „Big Brother“ angekündigt wurde, fragte man sich, wer sich das angucken soll. Ganz „normale“ Menschen sitzen in einem Haus, sind 24 Stunden unter Kamerabeobachtung und wer die Gunst des Publikums auf sich zieht, gewinnt am Ende ein Preisgeld. Ein Konzept, so einfach wie erfolgreich. 2011 endete die elfte Staffel von Big Brother. Was als umstrittene Game-Show begann, hat die Fernsehlandschaft nachhaltig geprägt.

Kandidaten oder Darsteller?

Die Medienwissenschaft bezeichnet Sendungen wie „Big Brother“ als performatives Realitätsfernsehen, also Formate, in denen in das Alltagsleben der Kandidaten eingegriffen wird und dieses sich durch die Sendung verändert. Die Big Brother-Kandidaten handeln nicht in ihrem vertrauten Umfeld, sondern im Setting des Containers, das Alltag suggerieren soll. Abgesehen von der Frage, ob bei dem Wissen um die Anwesenheit der Kameras überhaupt so etwas wie Authentizität generiert werden kann, stellt sich auch die Frage, welche Definition die Bewohner erfüllen: Sind sie Kandidaten in einer Spiel-Show oder sind sie Darsteller in einer Reality-Soap?

Eben jene Frage hat auch den Bundesfinanzhof beschäftigt, der nun zu einem Urteil gekommen ist. Nach Ansicht des BFH muss der Gewinner der Sendung seinen Gewinn versteuern. Der BFH entschied dies im Fall von Sascha Sirtl, der 2005 eine Million Euro bei „Big Brother“ gewann (IX R 6/10). Nun wird Sirtl die Hälfte an das Finanzamt Köln-Mitte überweisen müssen.

„Das läuft nicht mehr unter Spiel und Wette“

„Das läuft nicht mehr unter Spiel und Wette“, sagte Sirtls Anwalt Burkhard Binnewies. Nach Ansicht des BFH erziele jemand, der Wochen oder Monate in einer Show zubringt und in den Betriebsablauf eingebunden ist, Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit, so die Angaben der „Süddeutschen Zeitung“. Sirtl und sein Anwalt argumentierten, dass die Zuschauerentscheidung über den Sieger der Sendung „die Kausalkette zwischen dem Vertrag und der tatsächlichen Zahlung der Prämie“ unterbreche, so die Angaben der „Financial Times Deutschland“. Nach Ansicht von Sirtl und seinem Anwalt könne die Teilnahme an „Big Brother“ deswegen kein normales Angestelltenverhältnis im steuerlichen Sinne darstellen. Diese Ansicht teilte der BFH nicht und befand, dass das Geld zu versteuern sei.

Die Entscheidung sei noch nicht endgültig, das Urteil falle erst nach abschließenden mündlichen Verhandlung, so die Information der Süddeutschen Zeitung. „Allerdings sind die Erfolgsaussichten, das noch mal umzudrehen, sehr begrenzt“, so Binnewies laut der SZ.

Wird dieses Urteil in letzter Instanz entschieden, könnte der Fiskus auch Steuern für die Gewinne ehemaliger Kandidaten nachfordern. Neben „Big Brother“ könnte dies auch für Casting-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ gelten. Für die Prominenten, die ins „Dschungelcamp“ gehen, dürfte die Entscheidung hingegen keine Rolle spielen, erhalten doch die Teilnehmer bei diesem Format Gagen, die somit als Einkommen zu versteuern sind. Kandidaten von z. B. Günther Jauchs „Wer wird Millionär“ sind von der Entscheidung wiederum nicht betroffen, das erspielte Geld zählt hier weiterhin als Gewinn.

Lohnsteuer und Sozialabgaben?

Das Urteil der BFH-Richter könnte allerdings den Produktionsalltag im Fernsehen verändern: Wenn die Kandidaten in Reality-Shows in letzter Instanz ihre Gewinne als Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit versteuern müssen, stehen sie wiederum in einem Angestelltenverhältnis. Dies würde bedeuten, dass Produktionsfirmen als Arbeitgeber Lohnsteuer und möglicherweise sogar Sozialabgaben abführen müssten.

Sollte dies der Fall sein, müsste man konsequenterweise die Kandidaten als Schauspieler bzw. Laiendarsteller bezeichnen – und dann wäre es endgültig vorbei mit dem Authentizitätsanspruch von Big Brother.

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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