Arbeitsrecht

BFFS kritisiert „Nachwuchsförderung“ von ProSiebenSat.1 TV

In einem offenen Schreiben hat der Bundesverband für Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) das „Gagendumping bei der sogenannten Nachwuchsförderung“ und bei Debütfilmen kritisiert.

Unbemerktes Gagendumping?

Schuld für das Gagendumping seien die Kürzungen der Produktionsvolumina in den fiktionalen Bereichen. Die Löhne für Schauspieler seien in den letzten Jahren bis zu 50% gesunken, bei Filmschaffenden sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Zudem würden Sender und Produktionsgesellschaften keine Beiträge mehr zur Pensionskasse leisten wollen, die Vorsorge und die soziale Absicherung seien aufgrund der kurz befristeten Beschäftigungen nicht hinreichend gesichert. Problematisch sei zudem, dass viele Filmschaffende die geringe Entlohnung gar nicht mehr als solche erkennen würden, da „es für sie normal geworden ist, entweder für eine rein symbolische Gage oder gleich ganz umsonst zu arbeiten“, so die Meldung weiter.

Minimale Budgets für den Nachwuchs

Im Bereich der Nachwuchsförderung, wie beim „Kleinen Fernsehspiel“ oder „Debüt im Ersten“, bekämen zwar junge Regisseure die Chance, einen Spielfilm zu inszenieren (der dann meist einen kleinen Kinostart und einen späten Sendeplatz im TV erhalte) doch seien Budget und Gagen minimal. Im Fall einer weiteren Verwertung, eines Verkaufs bzw. Erfolgs im Kino würde die eingesparte Gage nachträglich ausgezahlt – eine Praxis, die der BFFS aber bereits als Schieflage ansieht, „weil damit die Arbeitnehmer eigentlich zu Koproduzenten werden, ohne allerdings Entscheidungsbefugnis zu besitzen“, so das Schreiben.

„Nachwuchsförderung“ der Privatsender

In der Art, wie nun Privatsender „Nachwuchsförderung“ betreiben wollen, sieht der BFFS auch die Praxis der nachträglichen Vergütung gefährdet. Grund dafür ist eine Forderung von Joachim Kosack, SAT.1 Co-Geschäftsführer und Senior Vice President Deutsche Fiction der ProSiebenSat.1 TV beim FIRST STEPS Awards. Kosack forderte dort die Schauspieler auf, „bei Debütfilmen, die in der Primetime laufen sollen, unter Verzicht des größten Teils ihres Gehalts mitzuspielen“, so der BFFS.

Weiter heißt es in dem Schreiben: „Dass bei diesen Low-Budget-Filmen die Vergütung der anderen Filmschaffenden ebenfalls weit unter den Tariflohn gedrückt wird, versteht sich von selbst. Die Großzügigkeit der Filmschaffenden, sich immer wieder für solche Nachwuchsproduktionen zur Verfügung zu stellen, die sie mit ihrer Nahezu-Gratisarbeitskraft mitfinanzieren, wird plötzlich öffentlich mit dem Argument eingefordert, dass der Privatsender sich „für den Nachwuchs“ engagiere und die Nachwuchsproduktion in der Primetime auszustrahlen gedenke, um den Nachwuchstalenten eine größere Öffentlichkeit zu ermöglichen. Damit hat die Schieflage einen Grad erreicht, bei dem man als Filmschaffender nicht mehr aufrecht stehen kann.“ Nach Ansicht der BFFS seien die Filmschaffenden gefordert, „ihre Gage zu opfern, während die Sender sich als Förderer feiern.“

Der Idealismus und die Leidenschaft vieler Filmkreativer, die ihre Projekte verwirklichen wollen, würde damit ausgenutzt werden, da die festangestellten Senderverantwortlichen einen selbstverständlichen Gehaltverzicht fordern und somit die Schauspieler moralisch unter Druck setzen würden, so der Vorstand des BFFS weiter.

Die Stellungnahme vom BFFS wird von folgenden Vereinen unterstützt:

Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft – ver.di

Verband Deutscher Schauspieler Agenturen e.V. – VDSA

Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände e.V.

darunter unter anderem:

Bundesverband Casting e.V. – BVC

Bundesverband Kamera e.V. – BVK

Bundesverband Filmschnitt Editor e.V. – BFS

Berufsvereinigung Filmton e.V. – bvft

Verband der Szenebildner, Filmarchitekten und Kostümbildner in Europa e.V. – SFK

Verband Deutscher Tonmeister e.V. – VDT

Bundesvereinigung Maskenbild e.V. – BVM

Bundesverband Produktion e.V. – BVP

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.