Arbeitsrecht

Arbeitsgericht Leipzig: Der niedrige Lohn einer Fachverkäuferin ist sittenwidrig

Mit Urteil vom 11.03.2010 entschied das Arbeitsgericht Leipzig, dass ein Stundenlohn von 6 € für eine Fachverkäuferin sittenwidrig ist – zumindest dann, wenn sie den Laden nahezu alleine führt und so einen großen Verantwortungsbereich betreut.Dieser Entscheidung liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

Eine Fachverkäuferin ist in einem Verkaufsladen tätig und erledigt sämtliche Aufgaben wie beispielsweise Kasse, Verkauf, Umtausch, Beratung etc. alleine. Sprich: sie führt den gesamten Laden nahezu alleine. Da sie ihren Stundenlohn von 6 € als zu niedrig empfand, forderte sie bei ihrem Arbeitgeber eine Erhöhung des Lohns auf 8,50 €. Eine Erhöhung lehnte ihr Arbeitgeber allerdings ab. Gegen diese Ablehnung klagte die Fachverkäuferin vor Gericht.

Das Gericht entschied, dass der Lohn von 6 € sittenwidrig sei, da ein „erhebliches Missverhältnis“ zwischen Lohn und geleisteter Arbeit besteht. Zwar ist der Tarifvertrag mangels Tarifbindung nicht anwendbar, doch kann der Tariflohn trotzdem eine Richtlinie für eine korrekte Bezahlung darstellen. Da der Tariflohn in diesem Bereich sogar bei 12,34 € liegt, ist die Forderung der Fachverkäuferin von 8,50 € mit also nur zwei Dritteln des Tariflohns durchaus gerechtfertigt.

Quelle: Arbeitsgerichts Leipzig, Urteil vom 11.03.2010, 2 Ca 2788/09

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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