Arbeitsrecht

AGG: Arbeitgeber darf eventuell durch Testbewerbung hereingelegt werden

Das Aufdecken einer Diskriminierung von Bewerbern – etwa wegen ihres Alters oder einer Behinderung – ist gar nicht so einfach. Von daher ist die Frage interessant, inwieweit Bewerber die Arbeitgeber durch Abschicken einer fingierten Testbewerbung auf die Probe stellen dürfen. Hierzu gibt es jetzt eine interessante Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Schleswig-Holstein.

  Arbeitgeber darf eventuell durch Testbewerbung hereingelegt werden ©liveostockimages-Fotolia

Arbeitgeber darf eventuell durch Testbewerbung hereingelegt werden ©liveostockimages-Fotolia

Vorliegend ging es um einen 50-jährigen Bewerber, der sich bei einem Arbeitgeber unter anderem als Servicetechniker im Innendienst bewarb. Da seine Praxiserfahrungen schon einige Jahre zurück lagen, befürchtete er eine Absage. Aus diesem Grunde schickte er an das Unternehmen eine weitere Bewerbung einer erfundenen Person. Diese zeichnete sich dadurch aus, dass sie 18 Jahre jünger war als er und über ähnliche Erfahrungen verfügte.

Der nichts ahnende Arbeitgeber schickte dem Bewerber eine Absage zu und lud die fingierte Person zum Vorstellungsgespräch ein. Der Bewerber ging daraufhin gegen den Arbeitgeber wegen Altersdiskriminierung vor und verklagte ihn auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von mindestens 10.500 Euro.

Hiermit kam der Bewerber jedoch nicht durch. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein entschied mit Urteil vom 09.04.2014 (Az. 3 Sa 401/13), dass ihm die geltend gemachte Entschädigung nicht zusteht. Dies würde voraussetzen, dass eine hinreichende Vermutung für eine Altersdiskriminierung spricht. Hiervon könne jedoch keine Rede sein.

Testbewerbung: Hinreichender Anlass erforderlich

Hierzu führte das Gericht zunächst einmal aus, dass inszenierte Testverfahren zwecks Aufdeckens einer Diskriminierung normalerweise zulässig sind. Dies ergebe sich aus der Gesetzesbegründung zum Antidiskriminierungsgesetz (AGG). Dies gelte allerdings nur, soweit es dafür einen hinreichenden Anlass gibt, die Strafgesetze beachtet werden und kein Rechtsmissbrauch vorliegt.

Qualifikation muss vergleichbar sein

Inwieweit die fingierte Bewerbung hier erlaubt war, konnte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein jedoch dahingestellt sein lassen. Denn eine Diskriminierung komme nur in Betracht, wenn der Bewerber mit der fingierten Person über eine vergleichbare Qualifikation verfügt. Dies sei aber vorliegend nicht der Fall, weil der fingierte Bewerber aufgrund seiner aktuelleren Berufserfahrung besser geeignet ist. Aus diesem Grunde komme hier keine Diskriminierung aufgrund des Alters in Betracht.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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