Arbeitsrecht

AG DOK wirft ARD und ZDF „Piraten-Mentalität“ vor

Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) geht in punkto Vertragsbedingungen auf Konfrontationskurs mit ARD und ZDF.

In einem Schreiben an die Ministerpräsidenten der Bundesländer beanstandet die AG DOK, dass die bereits 2008 verabschiedete Protokollerklärung der Ministerpräsidenten-Konferenz, wonach ARD und ZDF „ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte“ zusichern müssen, noch immer nicht in die Praxis umgesetzt worden sei.

Vielmehr seien aufgrund der Marktmacht der öffentlich-rechtlichen Sender die Vertragsbedingungen für Dokumentarfilmer weder fair noch angemessen – diejenigen, die für ARD und ZDF arbeiten würden, gehören „zu den am schlechtesten bezahlten Beschäftigten der Medienbranche“, so die Meldung der AG DOK.

Oft stünden nur Pauschalbeträge, die gerade mal die Hälfte der Produktionskosten decken würden, zur Verfügung – und dies selbst bei Auftragsproduktionen, so die Kritik der AG DOK. Viele gängige Kostenfaktoren würden von den Sendern ebenfalls nicht anerkannt werden. Refinanzierungsmöglichkeiten durch z. B. Wiederholungsrechte oder Internetverwertungen seien aufgrund von Knebelverträgen nicht praktizierbar.

„ARD und ZDF stellen Inhalte ins Netz, ohne die Urheber zu bezahlen“

AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel sagte dazu: „Alle Welt redet in diesen Tagen über Internet-Piraterie. Aber keiner redet darüber, dass ARD und ZDF jeden Tag Inhalte ins Netz stellen, ohne die Urheber dafür zu bezahlen.“

In dem Schreiben an die Ministerpräsidenten heißt es: „Durch diese Piraten-Mentalität verursachen die öffentlich-rechtlichen Sender der deutschen Dokumentarfilmbranche und weiten Teilen der Kreativwirtschaft immense wirtschaftliche Schäden. Während der öffentlich-rechtliche Apparat immer weiter aufgebläht und mächtiger wird, über zahllose Tochterfirmen wettbewerbsverzerrend in den Markt eingreift und in den Vergabegremien auch die Filmförderungen dominiert, werden Produktionsfirmen, Dienstleister und Freiberufler in der Medienbranche in den Ruin getrieben. Dass so etwas in einem System möglich ist, das mit Milliardenbeträgen öffentlich finanziert und durch die politisch verfasste Öffentlichkeit kontrolliert wird, ist skandalös.“

Die AG DOK fordert die Ministerpräsidenten in dem Schreiben dazu auf, regulierend einzugreifen, „da das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem aus sich selbst heraus nicht mehr zur Herstellung gerechter Rahmenbedingungen im Umgang mit Urhebern und Produzenten in der Lage ist.“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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