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YouTube-Gaming – Kein Livestream in Deutschland

YouTube-Gaming: Am 26.08.2015 ging YouTube mit einem neuen Service an den Start. Mit dem Computerspiele-Portal YouTube-Gaming, soll Konkurrenten wie Twitch.tv das Leben schwer gemacht werden. Die vermutlich für Gamer wichtigste Funktion, das Livestreaming, wird in Deutschland jedoch aus rechtlichen Gründen fehlen. Weswegen der Livestream in Deutschland nicht erreichbar ist und welche Rechtsprobleme bei Let´s-Play Videos entstehen können, klären wir für Euch im Folgenden:

 Let`s Play-Videos boomen und erfreuen sich gerade bei Jugendlichen immer größerer Beliebtheit. Google hat dieses Potenzial schon länger erkannt und nun sein ganz speziell auf Computerspieler zugeschnittenes Portal YouTube-Gaming offiziell gestartet. Nachdem im vergangenen Jahr Amazon für stolze 970 Millionen Euro den Zuschlag für Twitch.tv erhalten hatte, an dem auch Google starkes Interesse gezeigt hatte, launcht Google nun seinen eigenen Service YouTube-Gaming.

YouTube-Gaming erlaubt es Nutzern eigene Spiele-Sessions in Form von Livestreams einer großen Community zu präsentieren. Zudem werden ausgewählte Spiele in entsprechenden Kanälen präsentiert, in denen alle Videos und Neuigkeiten zu dem jeweiligen Spiel untergebracht werden.

Die Idee hinter Let`s Play ist simpel: Fans von Computer- und Videogames spielen diese, filmen das Spielgeschehen auf dem Bildschirm und kommentieren es gleichzeitig live, ähnlich wie ein Reporter. Die so produzierten Videoclips von einzelnen Szenen oder ganzen Durchläufen der Spiele werden anschließend Online eingestellt. So kann eine riesige Gemeinde von Game-Fans an dem Spielerlebnis teilhaben und erhält Einblick in die vorgestellten Computerspiele.

YouTube-Gaming Livestream in Deutschland nicht erreichbar

Allerdings hat das Ganze einen Haken, zumindest für deutsche Nutzer, denn: Das wichtigste Feature für viele Gamer wird bei uns nicht zur Verfügung stehen – Der Livestream! Wer aus Deutschland auf die Livestream-Seite klickt erhält anstatt des gewünschten Services einzig den Hinweis angezeigt: „Livestreaming ist wegen Rechteproblemen in Deutschland leider nicht möglich.“ Auch die für IOS und Android angebotene App wird es vorerst nur in den USA und Großbritannien geben.

YouTube fehlt die notwendige Sendelizenz

 Wer sich nun an die bekannten Gema Sperrbildschirme „Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden“ erinnert fühlt, irrt in diesem Fall. Grund für den in Deutschland nicht verfügbaren Livestream ist die nach dem Rundfunkstaatsvertrag notwendige Sendelizenz, sobald Livestreams mehr als 500 Zuschauer haben.

Hintergrund: Der Rundfunkstaatsvertrag schreibt für Videoangebote eine Zulassung vor, wenn diese „linear gesendet“ und „zeitgleich von mehr als 500 Nutzern“ empfangbar sind. Würde YouTube dagegen verstoßen und einfach so senden, könnte YouTube mit einem Bußgeld belegt werden. Dann könnte eine Strafe bis zu 500.000 Euro drohen. Das möchte YouTube verständlicherweise vermeiden. Ein Antrag auf Erteilung der Lizenz wurde von der Google Tochter YouTube bislang nicht gestellt.

Im Folgenden wollen wir Euch aufzeigen, welche Rechtsprobleme grundsätzlich bei Let´s-Play Videos auftreten können.

Verletzen Let`s Play-Videos das Urheberrecht der Spielehersteller?

Grundsätzlich ja. Denn zumindest Teile der Computer- und Videospiele sind als persönliche geistige Schöpfungen zu werten und deshalb nach dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) geschützt. Zwar gilt das nicht für die bloße Spielidee. Schutzfähig ist aber ihre Ausgestaltung in Form des jeweiligen Spiels, beispielsweise durch die visuelle Darstellung der Szenen oder das umgesetzte Spielgeschehen. Jedenfalls sind Einzelbestandteile wie die Spielfiguren oder Grafiken von diesem gesetzlichen Schutz umfasst.

Dass der Let`s Player durch seine Aktionen die gefilmten Spielszenen erzeugt und damit unter Umständen selbst einen urheberrechtlich geschützten Film anfertigt, ändert daran nichts. Im Vordergrund des Videos steht nämlich das darin gezeigte Computerspiel.

Wird nun ein solcher Videoclip bei YouTube öffentlich zugänglich gemacht, verletzt dies die Urheberrechte des Spieleherstellers. Nur mit dessen Einwilligung sind online gestellte Let`s Play-Videos legal. Weil es daran in der Regel fehlt, ist der Spielehersteller berechtigt, den uploadenden Let`s Player abzumahnen. Dieser muss die Online-Veröffentlichung dann unterlassen und gegebenenfalls Schadensersatz zahlen.

Warum sind im Netz trotzdem so viele Let`s Play-Videos zu finden?

Obwohl Let`s Plays also Herstellerrechte verletzen, sind auf Portalen wie YouTube trotzdem viele dieser Clips zu finden. Grund dafür ist, dass die meisten Spielehersteller Let´s Play-Veröffentlichungen tolerieren. Ohne dazu verpflichtet zu sein, verzichten sie also auf ein rechtliches Vorgehen. Denn der neue Trend präsentiert ihre Spiele gezielt und vor allem kostenlos einem breiten Publikum. Im Ergebnis stellt das eine äußerst wirksame Werbung für ihre Produkte dar.

Allein auf die Kulanz der Hersteller sollten sich Let`s Player bei ihren Vorhaben aber nicht verlassen. Mit rechtlich verbindlichen Aussagen zu Let`s Play halten sich viele Spielehersteller nämlich oft zurück. Bei Neuerscheinungen oder sogenannten Preview-Versionen ergreifen manche Hersteller sogar Gegenmaßnahmen und lassen beispielsweise die entsprechenden Videos auf Youtube sperren. Die rechtliche Situation ist insgesamt unsicher.

Im Zweifel sollten Interessierte mit entsprechenden Plänen daher direkt den Hersteller kontaktieren und seine Erlaubnis einholen, das jeweilige Spiel für Let`s Play verwenden zu dürfen.

Welche Regeln sind bei Let`s Play-Veröffentlichungen beachten?

Auch wenn Hersteller Let`s Play grundsätzlich tolerieren, so erwarten sie – oft stillschweigend – die Einhaltung bestimmter Regeln. Auf unsachliche oder übermäßige Kritik an den vorgeführten Computer- und Videospielen etwa sollten Video-Macher verzichten. Denn bei negativer Publicity für ihre Produkte können Hersteller zum Beispiel für künftige Clips ihre Einwilligung verweigern.

Vor allem aber dulden viele Spielefirmen keine kommerziellen Let`s Plays. Verdienen Clip-Macher mit ihren Videos von den Herstellerprodukten Geld, etwa durch Werbeeinblendungen bei YouTube-Partnerprogrammen, kann Ärger drohen. Wer dies dennoch plant, sollte unbedingt die ausdrückliche Erlaubnis des Spieleherstellers einholen, bevor er seine Let`s Play-Clips ins Netz stellt – dann steht einem ungebremsten Spiele-Spaß jedenfalls nichts mehr im Wege. (TOS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (1)

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  1. Steglich Enrico [Mobile] sagt:

    Der rechtliche Inhalt ist ja dann auch auf twitch.tv anwenbar. Brauchen die Streamer dann nicht eine Sendelizenz?

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