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Weltstar Mikis Theodorakis machte „Das Wilde Wohnzimmer“ zu etwas ganz Besonderem

Am Dienstag, den 22. Mai 2017, fand zum wiederholten Male das erfolgreiche und von Frau Rechtsanwältin Rafaela Wilde, Partnerin der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE, initiierte private Event „Das Wilde Wohnzimmer“ statt. Ehrengast war der griechische Volksheld und Weltbürger Mikis Theodorakis.

„Das Wilde Wohnzimmer“ – Rechts im Vordergrund: Ehrengast Mikis Theodorakis

Anlässlich der Aufführung seiner 2. Sinfonie (1980/81) am Mittwoch, den 24. Mai 2017 durch die Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle reiste der 92jährige Mikis Theodorakis noch einmal nach Deutschland und war am Dienstag Ehrengast bei dem privaten Event der Partnerin unserer Kanzlei, Frau Rafaela Wilde und ihrem Mann Dieter Wilde. Die Soiree fand in ihrer Bayenthaler Wohnung statt.

Hommage an Mikis Theodorakis – Zahlreiche Künstler spielten Kammermusikwerke

Gemeinsam mit der Theodorakis Academy hatte Frau Wilde zum „Empfang für Mikis Theodorakis“ geladen. Sie kennt und begleitet Theodorakis seit fast 30 Jahren. Und der Einladung folgten am Dienstag-Abend 120 prominent besetzte Gäste. Unter den Gästen fanden sich unter anderem Opernintendantin Birgit Meyer, WDR-Intendant Tom Buhrow, Bettina Böttinger, Günter Wallraf und Witich Rossmann von der IG-Metall. In ihrer Laudatio ließ es sich Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes nicht nehmen zu erwähnen, dass auch sie die ein oder andere Theodorakis-Platte ihr eigen nennen darf. Um es vorweg zu nehmen: Aus der gestrigen Hommage an den weltberühmten griechischen Komponisten, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis wurde ein unvergesslicher Abend. Vor dem Phänomen Theodorakis gilt es, sich zutiefst zu verneigen.

Mikis Theodorakis, der 1925 auf der griechischen Insel Chios geboren wurde, gilt als der bekannteste griechische Komponist des 20. Jahrhunderts. Zu seinem über 1000 Werke umfassenden Schaffen zählen unter anderem so berühmte Werke wie seine Filmmusiken zu Alexis Sorbas, Z und Serpico sowie die Vertonung des Canto General nach Versen von Pablo Neruda. Nicht zuletzt diese Werke machten ihn weltweit bekannt.

Zu seinen Ehren wurden im Rahmen des Events einige seiner Kammermusikwerke von großartigen Künstlern vorgetragen: Die Sängerin Sofia Manoussaki, der Pianist Stefanos Korkolis und ein Streichquartett mit Ariadne Daskalakis, Riccardo Caraceni, Sebastian Gottschick und Nadège Rochat waren zu Gast. Unter anderem erklangen drei Lieder aus dem Zyklus „Ein Meer voll Musik“ sowie die kleine Suite für Klavier und das Streichquartett Nr. 4.

Nähere Informationen zu den Künstlern und vorgetragenen Werken erhalten Sie unter dem folgenden Link:

Programmheft „Empfang für Mikis Theodorakis“

Das Phänomen Mikis Theodorakis

Ehrengast Mikis Theodorakis

Mikis Theodorakis, der Komponist, der Weltbürger, der kompromisslose Demokrat, war Zeit seines Lebens ein Vollblutmusiker, der unaufhörlich komponierte, dirigierte, produzierte – Songs und Sinfonien, Ballette und Opern, Filmmusiken und Kammermusik. Sein musikalisches Schaffen und sein gesellschaftliches Engagement führten häufig zu extremen Gegenpositionen, er selbst galt stets als gedanklicher Extremist. Für die Linken ein Rechter, für die Rechten ein Linker. Für akademische Musikkritiker ein Popmusiker, für die Popmusiker ein klassischer Komponist. Er richtete sich auf keinem dieser Plätze ein. Er war und blieb ein Anarchiker. Ein weltoffener Geist, mit einem minutiösen Gedächtnis, rhetorisch versiert, gebildet, sensibel, voller Humor, umgeben von einer pulsierenden Aura, äußerst diszipliniert, ein begnadeter Geschichtenerzähler, sehr ernsthaft, spontan, lesehungrig – „ein deutscher Komponist, der im Raum der Ägäis geboren wurde“, wie er selbst sagt, „und ein kretischer Liedermacher, der in Paris gelebt hat“. Eine Umfrage außerhalb Griechenlands ergab, dass Theodorakis der berühmteste Grieche im Ausland ist. Er hat weltweit mehr als 70 Millionen Platten und CDs – mit „griechischer Musik“ – verkauft. In Griechenland selbst kennt ihn jedes Kind. Für die Griechen ist er „Mikis“. Sie haben ihn geliebt und gehasst, ihn gehört und ihn verboten. Er musste mehrmals ins Gefängnis, und er wurde weltweit gefeiert. Für viele ist er der Inbegriff Griechenlands.

Die Gründe, die Ursachen für dieses einmalige Phänomen sind für Nicht-Griechen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar. Es entstand, als Theodorakis ab 1960 die hohe Dichtung seines Landes (Elytis, Ritsos, Seferis, Gatsos etc.) „in den Blutkreislauf der breiten Masse einzuspeisen begann“. Der Brite Ron Hall brachte es wie folgt auf den Punkt: „Es war, als hätte Benjamin Britten Verse von Auden vertont, und die Platte, besungen vom Erzbischof von Canterbury, hätte die Beatles aus den Hitlisten verdrängt“. Oder, um das für Deutschland zu übersetzen: Man stelle sich vor, Hans Werner Henze würde Gedichte von Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Erich Fried und Hans Magnus Enzensberger vertonen und die damit veröffentlichten Platten, besungen von Hermann van Veen, würden sich fünf Jahre lang durchschnittlich 12 Millionen mal verkaufen. Genau das geschah mit Theodorakis’ Liedkompositionen in Griechenland zwischen 1961 und 1966. Allein die Single von „Am Strand“ (mit dem gleichnamigen Text von George Seferis) verkaufte sich 1964 mehr als 400.000 mal, bei einer Bevölkerungszahl von 7 Millionen Griechen.

1963 bekam George Seferis den Literatur-Nobelpreis – auch für den Zyklus, den Theodorakis bereits 1961 vertont hatte. Und für das Werk „Axion Esti“, auf dessen Grundlage Theodorakis 1960 sein gleichnamiges Oratorium komponierte, wurde Odysseas Elytis 1979 der Literatur-Nobelpreis verliehen.

Es gibt selbst heute kaum einen Griechen, der diese Lieder nicht kennen und singen könnte, der also nicht durch Theodorakis‘ Musik die hohe Dichtung inhaliert hätte.

Rafaela Wilde: „Ehrengast Mikis Theodorakis machte den Abend durch seine persönliche Anwesenheit vollkommen“

Bürgermeisterin Elfie Scho-Antwerpes mit Mikis Theodorakis

Der zweite Grund für die Existenz des Phänomens „Theodorakis“, eng verzahnt mit dem eben beschriebenen, bestand im kulturpolitischen Impetus, den seine Musik umgab.

Theodorakis verband Anfang der sechziger Jahre seine Kunst sehr bewusst mit einem emanzipatorischen Anspruch: mit dem Gedanken an die Freiheit des Individuums. Im monarchistischen und polizeistaatlich geführten Griechenland zu Beginn der sechziger Jahre entwickelte diese Kombination von Dichtung, Musik und individuellem Freiheitsanspruch eine unglaubliche Dynamik.

Und es verwundert nicht, dass viele seiner Lieder damals nicht nur vom Staatlichen Rundfunk – wegen „Aufhetzung gegen die herrschende Ordnung“ (gemeint waren Liebeslieder) – verboten, sondern auch von der kommunistischen Linken stark kritisiert und zum Teil unter Verdikt gestellt wurden (wie die Revue „Lied des toten Bruders“).

Dabei beschäftigte sich Theodorakis bis 1960 ausschließlich mit der sogenannten ernsten Musik. Seine Ballette, Klaviersonaten und sinfonischen Werke wurden in London, Paris, Rom, Athen und Stuttgart etc. aufgeführt. Er hatte bei Olivier Messiaen sein Zusatzstudium absolviert und erhielt für sein sinfonisches Schaffen Ende der fünfziger Jahre von Kollegen wie Kodály, Casals, Eisler, Schostakowitch und Milhaud eine Reihe von hochdotierten Preisen und Ehrungen. Das Ballett „Antigone“ (1959) wurde in der Choreographie von John Cranko vom Royal Ballet mehr als 150 mal in Covent Garden aufgeführt.

Theodorakis‘ Rückkehr nach Griechenland 1960 und seine Besinnung auf das Lied geschahen aus der Erkenntnis heraus, dass er zu seinen Landsleuten gehörte – zu ihnen, mit denen zusammen er Anfang der vierziger Jahre gegen die Deutschen und Italiener gekämpft, mit denen er den Bürgerkrieg durchlitten und die schweren Jahre nach 1950 durchgemacht hatte. Diese „unterirdische“ – biografisch-seelische – Verbundenheit mit seinen Landsleuten war für ihn die Basis, um seine Kunst-Lieder (die wie „Volkslieder“ funktionierten) schreiben zu können und sie den Menschen zu geben. Theodorakis „musste“ 1960 das akademische London und das mondäne Paris verlassen, und er musste sich mit dem „Bouzouki“ die Hände dreckig machen. Er tat es für sich und seine Landsleute, die ihn dafür umjubelt und gleichzeitig verdammt haben. Und nach weiteren 20 Jahren Beschäftigung mit dem Lied und seiner „Metasinfonik“, kehrte er 1980 nach Paris zurück, komponierte bis 2001 seine großen Sinfonien und schuf mit seinen Opern „Medea“, „Antigone“ und „Elektra“ eine „neugriechische Opernform“, die er „lyrische Tragödie“ nannte. Theodorakis hat uns Griechen einfach „zu viel“ gegeben, und wir tun uns schwer damit, ihm das jemals zu verzeihen.

Rafaela Wilde: „An dieser Stelle möchte ich mich von ganzem Herzen bei den Musikerinnen und Musikern sowie allen Gästen für den unvergesslichen Abend bedanken. Ein ganz besonderer Dank gebührt dabei dem gestrigen Ehrengast Mikis Theodorakis, der den Abend durch seine persönliche Anwesenheit vollkommen machte.“

tsp

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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