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Vorsicht vor TAN-Betrug per Telefon – Keine Bankhaftung bei TAN-Weitergabe

Das AG München hat entschieden, dass die Weitergabe einer TAN während eines Telefongesprächs als grob fahrlässig zu qualifizieren ist. Banken seien nicht verpflichtet Geldbeträge, die auf diese Art und Weise ergaunert wurden, zurück zu zahlen.

Eine Frau aus Aying nutzte das über das Internet zur Verfügung gestellte Onlinebanking-Angebot ihre Bank für ihr Girokonto. In einer am 12.05.2014 erhaltenen E-Mail, welche vermeintlich ihre Bank als Absender auswies, wurde sie dazu aufgefordert, die Synchronität der SEPA-Umstellung zu aktualisieren, um ihr Onlinebanking weiter nutzen zu können. Dieser Aufforderung kam die Klägerin nach, indem sie einen Link in der E-Mail öffnete und anschließend ihren Namen, ihre Festnetznummer und ihre Kontonummer angab.

Einen Tag später meldete sich telefonisch eine weibliche Person bei der Frau, die sich als Mitarbeiterin ihrer Bank ausgab und die Klägerin darum bat, sich eine Nummer zu notieren. Daraufhin erhielt die Dame eine Kurznachricht auf ihr Mobiltelefon und wurde aufgefordert die in der Nachricht enthaltene Nummer mit der zuvor genannten zu vergleichen. Die Kurznachricht enthielt folgenden Inhalt: „Die mobile TAN für Ihre Überweisung von 4.444,44 EUR auf das Konto ES (…) mit BIC (…) lautet: 253844“. Nachdem die Klägerin die beiden Nummern abglich, wurde ein Betrag von 4.444,44 EUR von ihrem Konto abgebucht.

Die Betroffene ließ das ihr Konto am 18.05.2014 sperren und stellte einen Tag später Strafanzeige gegen Unbekannt.

Der aus Oberbayern stammenden Frau gelang es im Anschluss jedoch nicht, den überwiesenen Betrag zurückzuerlangen. Auch ihre Bank verweigerte jedwede Haftung. Als Folge sah sie sich gezwungen, Klage beim Amtsgericht München zu erheben.

TAN-Betrug per Telefon

TAN-Betrug per Telefon – Verhalten der Betroffenen war grob fahrlässig

Doch das Amtsgericht (AG) München wies nun die Klage der betroffenen Frau ab und qualifizierte ihr Verhalten und die telefonische Weitergabe einer TAN als grob fahrlässig (Urteil vom 05.01.2017 – 132 C 49/15). Das Gericht wies darauf hin, dass eine TAN immer für eine konkrete Überweisung erzeugt und im Anschluss, an das Mobiltelefon des Kunden weitergeleitet werde. Diese Kurznachricht enthalte neben der TAN auch immer weitere Informationen zu der spezifischen Überweisung. Neben dem Zweck der Überweisung werde auch immer der Betrag und das Zielkonto der Überweisung angegeben.

Deutliche Hinweise in der SMS

Nach Auffassung des Gerichts sei es allgemein für jeden ersichtlich, dass die Weitergabe einer TAN, zu einer missbräuchlichen Überweisung führen könne. Da in der SMS deutlich auf den jeweiligen Betrag, den Zweck und das zu begünstigende Konto hingewiesen wurde, sei das Verhalten der klagenden Frau nicht lediglich als leicht fahrlässig anzusehen. Die Weitergabe einer TAN sei nach den vertraglichen Bedingungen ohnehin nicht zulässig.

Wie kann ich mich schützen?

Verbraucher sollten bereits bei einem Anruf niemals auf die übermittelte Rufnummer vertrauen. Die im Display zu erkennenden Rufnummer könnte manipuliert sein. Sofern Zweifel an der Seriösität des gesprächspartners besteht, sollten sich Verbraucher Namen und Telefonnummer des Anrufers geben lassen und selbständig zurückrufen, oder umgehend auflegen. Vor einem Rückruf jedoch sollten Verbraucher zunächst immer die Telefonnummer überprüfen z.B. über die Unternehmenswebseite, die Auskunft oder über das Telefonbuch.

Wichtig ist es immer zu bedenken, dass Bankmitarbeiter niemals nach einer kompletten Telefon-Banking-PIN,einer Kunden-Online-Banking-PIN oder einer TAN fragen- schon gar nicht per Telefonanruf. Wird im Telefonat versucht Druck auf Sie auszuüben und Ihnen wird z.B. mit einer Kontosperrung, einem Inkassobüro oder einem Rechtsanwalt gedroht, so lassen Sie sich davon nicht einschüchtern. Sie sollten immer überlegen, ob für den gewollten Vorgang überhaupt die geforderte Information benötigt wird. Denn dies ist oftmals nicht der Fall.

Tipp: Wenden Sie sich bei jeglichem Missbrauch Ihrer Bankdaten umgehend an Ihre Bank. Darüber hinaus sollten Sie umgehend die Polizei kontaktieren und Strafanzeige erstatten.

msr/tsp


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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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