Allgemein

Verbreitung von Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen kann wettbewerbswidrig sein

In einem Urteil vom 08.05.2008 hat sich das LG Stuttgart (Az. 41 O 9/08 KfH) mit der Rechtmäßigkeit der Verbreitung von Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen auseinandergesetzt. In dem vorliegenden Sachverhalt hatte der Württembergische Fußballverband (WFV) gegen die „Hartplatzhelden“ auf Unterlassung der Verbreitung von Filmaufnahmen geklagt. Das LG Stuttgart gab dem Kläger recht und sah in der Verbreitung und öffentlichen Wiedergabe von Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen die durch den WFV organisiert wurden, eine unzulässige Beeinträchtigung der Vermarktungsmöglichkeiten des WFV. Das Gericht führt weiter hierzu aus: „(…)Durch die Zugänglichmachung der eingestellten Filmaufnahmen von Amateurfußballspielen übernimmt die Beklagte im Sinne von § 4 Nr. 9 UWG das Leistungsergebnis des Klägers und beeinträchtigt diesen in der Vermarktung der von ihm organisierten Fußballspielen (§ 4 Nr.10 UWG). Die Existenz des von der Beklagten geschaffenen Internet-Portals führt dazu, dass das offensichtlich bestehende Interesse einer Vielzahl von Fußballbegeisterten an der Wiedergabe einzelner Ausschnitte von Amateurspielen befriedigt wird; dies erfolgt jedoch zu Lasten des Klägers und der ihm angehörenden Vereine, deren Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Vermarktung der Spiele in gleicher oder ähnlicher Form erschwert wird. Das für einen Unterlassungsanspruch notwendige Wettbewerbsverhältnis folgt daraus, dass der Kläger beabsichtigt, zukünftig die Amateurfußballspiele über das Internet oder auf andere Weise zu verwerten. Ohne Bedeutung ist daher, dass der Kläger bisher keine mit dem Internet-Portal der Beklagten vergleichbaren Produkte angeboten hat. Der Bewertung als unlauteres wettbewerbswidriges Verhalten steht auch nicht entgegen, dass es sich bei den Videosequenzen um Mitschnitte von Privatpersonen handelt. Wie bereits ausgeführt, besteht gerade bei Amateurfußballspielen an der vollständigen Wiedergabe einzelner Spiele kein größeres Interesse, anders als an der Wiedergabe kurzer Zusammenfassungen einzelner Spiele oder besonders interessanter Spielszenen. Dieses Vermarktungspotential ist Gegenstand des Geschäftszwecks der Beklagten. (…)“

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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