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Testament von Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist gültig

Das Oberlandesgericht München (Beschluss vom 15. Dezember 2016, Az. 31 Wx 144/15) hat in einem Erbscheinverfahren entschieden, dass das Testament des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt gültig ist. Die mehr als 1400 Kunstwerke gehen nun an das Kunstmuseum Bern.

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Spektakulärer Kunstfund

Im Jahr 2013 wurde bekannt, dass in der Münchener Wohnung des mittlerweile verstorbenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt mehr als 1200 Kunstwerke gefunden und von der Staatsanwaltschaft beschlagen wurden. Später wurden weitere Kunstwerke in einem Haus in Salzburg gefunden. Der Fund machte weltweit Schlagzeilen.

Werke als Raubkunst identifiziert

Nach dem Fund der Kunstsammlung haben sich Experten der kunsthistorischen Bewertung der Werke beschäftigt. An die 100 Bilder wurden dabei als Raubkunst bewertet. Als Raubkunst bewertet werden üblicherweise Kunstwerke, die während der NS-Zeit den eigentlichen Eigentümern entwendet worden sind. Eine Vielzahl unterschiedlicher Gesetze machte es in der damaligen Zeit möglich, dass Kunstwerke  ihren Eigentümern entzogen werden konnten. Zwischen 1933 und 1945 soll es zu über 600.000 Fällen gekommen sein.

Testament von Gurlitt

Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist 2014 im Alter von 81 Jahren verstorben. In seinem am 09. Januar 2014 verfassten Testament hat er seine umstrittene Kunstsammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Nach seinem Tod ergab sich dann ein Erbschaftsstreit: Gurlitts Cousine Uta Werner hat das Testament angezweifelt. Uta Werner ist der Meinung, dass Gurlitt am 09. Januar 2014 nicht mehr testierfähig gewesen ist. Ein wirksames Testament habe er zu diesem Zeitpunkt nicht verfassen können. Sie betont, dass Gurlitt an Wahnvorstellungen und Dement gelitten habe. Die Einsetzung des Kunstmuseums Bern als Alleinerbe, resultiere alleine aus Gurlitts Wahnvorstellungen.

Testierfähigkeit gegeben

Das Oberlandesgericht München hat nun entschieden, dass das Testament von Cornelius Gurlitt rechtswirksam ist. Nach Meinung des Gerichts sei Gurlitt zum Zeitpunkt der Abfassung des Testamentes voll testierfähig gewesen. Grundlage des Urteils war das Sachverständigengutachten eines Experten, der sowohl persönliche Briefe, als auch ärztliche Unterlagen analysiert hatte. Der von Uta Werner beauftragte Gutachter konnte das Gericht nicht überzeugen. Das Kunstmuseum Bern ist damit rechtswirksamer Alleinerbe der Kunstsammlung von Gurlitt.

Möglicher Zivilprozess

Uta Werner ist weiterhin der Meinung, dass das Oberlandesgericht München den Sachverhalt falsch bewertet hat. Gurlitt sei in der Vorstellung gefangen gewesen, dass er seine Bilder vor den Nazis habe retten müssen. In seinen Gedanken sei dies nur in der Schweiz möglich gewesen.

Fazit

Das Kunstmuseum Bern hat die Entscheidung des Oberlandesgericht München mit großer Freude kommentiert und deutlich gemacht, dass nun weiter an den Vorbereitungen für die geplanten Ausstellungen in Bern und in der Bundeskunsthallte Bonn gearbeitet werde. Ziel sei es, den Zugang der Öffentlichkeit zu den Werken sicherzustellen. Uta Werner prüft indessen, ob sie auf zivilrechtlichem Weg weiter gegen das Kunstmuseum Bern prozessieren wird, um feststellen zu lassen, dass sie Erbin der Kunstsammlung ist. In einem solchen Zivilprozess wäre das Gericht nicht bindend an das jetzt ergangene Urteil des OLG München im Erbscheinverfahren gebunden. (NH)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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  1. Christoph Gurlitt sagt:

    Das OLG hat entschieden, dass man eine Testierunfähigkeit von Cornelius Gurlitt nicht beweisen kann. Dies ist eine ganz andere Formulierung als Sie sie hier oben benutzen.

  2. Christoph Gurlitt sagt:

    Das OLG hat entschieden, dass man eine Testierunfähigkeit von Cornelius Gurlitt nicht beweisen kann. Dies ist eine ganz andere Formulierung als Sie sie hir oben benutzen.

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