Sturz auf Bierzelt-Rampe - Festzeltbetreiber haftet nicht
Allgemein

Sturz auf Bierzelt-Rampe – Festzeltbetreiber haftet nicht

Für einen Bierzeltbesucher hatte sich das Verlassen eines Festzeltes über eine Rampe zu einer schmerzhaften Schlitterpartie entwickelt, sodass er vom Festzeltbetreiber Schadensersatz in Höhe von knapp 6000 Euro forderte. Wer jedoch auf einer regennassen Rampe ausrutscht und stürzt, kann für eine hierdurch erlittene Verletzung allein verantwortlich sein, so das OLG Hamm.

Veranstaltungen bergen immer Gefahrenquellen und damit einhergehende Verletzungsrisiken für Besucher. Was rechtlich gilt, wenn ein Besucher einer Veranstaltung stürzt und dem Veranstalter die Schuld gibt, beschäftigte aktuell das Oberlandesgericht (OLG) Hamm.

Im konkreten Fall war der damals 48 Jahre alte Arnsberger Kläger Besucher eines Festzeltgeländes einer Schützenbruderschaft. Der Tag der Veranstaltung war von starken Regenfällen geprägt und so rutschte der 48 jährige nach eigener Schilderung beim Verlassen des Bierzeltes gegen 17.30 Uhr auf einer nassen Aluminiumrampe aus, stürzte und zog sich eine Fraktur seines Außenknöchels und einen Weichteilschaden zu. Die Rampe war zur Sicherheit aus Riffelblech angefertigt, jedoch hatte sich das Regenwasser auf der begehbaren Fläche gesammelt und die Oberfläche zu einer Gefahrenquelle werden lassen.

Unter Hinweis darauf, dass die Gefahrenquelle für ihn nicht erkennbar gewesen sei, hat der Kläger eine Verkehrssicherungspflichtverletzung gerügt und von dem Veranstalter Schadenersatz verlangt, unter anderem ein Schmerzensgeld in Höhe von 6.000 Euro.

Metallrampen sind vorsichtig zu begehen

Schon die erste Instanz, das Landgericht (LG) in Arnsberg hatte dies nicht als haltbare Begründung gesehen (LG Arnsberg, Az. 1 O 144/16). Der 9. Zivilsenat des OLG Hamm hat die die Klage abweisende, erstinstanzliche Entscheidung des LG Arnsberg bestätigt. Die Beklagte habe ihre Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt, so die Richter am OLG. Der Veranstalter sei nicht generell für Unfallschäden von Personen auf ihrem Gelände haftbar zu machen. Mögliche Gefahrenquellen seien nicht immer als solche zu kennzeichnen, wenn die üblichen Sicherungspflichten erfüllt worden seien (Beschluss vom 20. Februar 1018, Az. 9 U 149/17).

Eine Metallplatte, versehen mit einem die Begehbarkeit sichernden Muster, sei nicht nur am Ausgang von Festzelten, sondern auch an Rampen von LKWs und vielen anderen Orten üblich und zugelassen. Jedermann wisse, dass auf einer derartigen Metallplatte Wasser stehen bleiben und die Oberfläche dann rutschig sein könne. Ob und wie viele Personen ihrerseits an der fraglichen Rampe gerutscht sind und diese Rutschgefahr für nicht erkennbar gehalten haben, sei für die Beurteilung einer Verkehrssicherungspflichtverletzung unerheblich. Eine Metallrampe wie die vor dem Festzelt sei gerade an den Ausgängen von Festzelten völlig üblich und auch bei Regen erkennbar vorsichtig zu begehen. Auch auf die jedenfalls keinesfalls unübliche Neigung der Rampe käme es daher nicht an.Vom Festzeltbetreiber seien keine weiteren Sicherungsmaßnahmen und sei auch kein Hinweis auf die offensichtliche Gefahrenstelle zu verlangen.

Vielmehr gelte: Wer auf einer regennassen, aus Riffelblech angefertigten Aluminiumrampe zu einem Festzelt ausrutscht und stürzt, kann für eine hierdurch erlittene Verletzung allein verantwortlich sein. Hier habe der Gast sich seinen Sturz jedenfalls selbst zuzuschreiben

jst/tsp

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.