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Sendung „Tatort Internet“ auf RTL 2 verletzt Persönlichkeitsrechte von möglichen Tätern

Die Kommission für die Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten rüffelt RTL 2 wegen der Bloßstellung von mutmaßlichen Tätern.

Die Sendung „Tatort Internet – schützt endlich unsere Kinder“ soll laut RTL 2 http://www.rtl2.de/66093.html dazu dienen, die Menschen „wachzurütteln“ und auf die weit verbreitete sexuelle Misshandlung von Kindern aufmerksam zu machen. Weil hier das Internet oft zur Kontaktaufnahme dient, treten dort angebliche Kinder als Lockvögel auf. Ziel ist dabei, dass erwachsende Täter mit pädophilen Neigungen anbändeln und über eine Kontaktaufnahme – mit Kamera vor Ort – überführt werden können.

Die Kommission für Jugendschutz hat gegen diese Sendung keine Bedenken. Nach ihrer Ansicht droht Kindern und Jugendlichen durch die reißerische Darstellung keinen Schaden, wenngleich der Nutzen auch fragwürdig erscheint.

Aber wie sieht es mit den mutmaßlichen Tätern aus? Nach den Erkenntnissen der Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) konnten die potentiellen Täter in zwei Folgen zumindest durch Bekannte und Freunde noch erkannt werden, weil sie nicht hinreichend unkenntlich gemacht worden sind. Aufgrund der damit verbundenen Verletzung der Persönlichkeitsrechte wird laut ZAK deren allgemeines Persönlichkeitsrecht verletzt – und dadurch gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßen.

Schließlich gilt für einen potentiellen Täter auch bei dem Verdacht des des sexuellen Missbrauchs solange die Unschuldsvermutung bis diese durch eine rechtskräftige Verurteilung entkräftet worden ist. Die Medien können dadurch einen großen Schaden anrichten, der nicht wiedergutzumachen ist.

Näheres zu dieser Entscheidung des ZAK können Sie seiner Pressemitteilung vom 23.11.2010 Nr. 16/2010 entnehmen.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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