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RTL fordert Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Digitalkanäle

Erst Ende 2011 hatte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) vorgeschlagen, mehrere Digitalkanäle von ARD und ZDF einzustellen. So sagte er gegenüber dem Fachmagazin „Promedia“, er sehe z. B. „keine Notwendigkeit, neben den hervorragenden Kultursendern Arte und 3sat zwei weitere öffentlich-rechtliche Kulturkanäle anzubieten.“ 

Nun ist auch der Privatsender RTL in die Kritik eingestiegen und  fordert die Aufgabe von Sendern wie ZDF Neo, Eins Extra oder Einsfestival. Tobias Schmid, Medienpolitik-Chef der RTL-Sendergruppe (RTL, Vox, Super RTL, N-TV) sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Die Einstellung der vier Digitalkanäle von ARD und ZDF ist überfällig. Denn die Sender finden seit Jahren keine Akzeptanz. Sie erreichen nur eine Zuschauerquote zwischen null und 0,1 Prozent.“

Schmids Kritikansatz hat allerdings einen deutlich anderen Schwerpunkt als der von Beck: „ARD und ZDF versenden in ihren Digitalkanälen Inhalte vor allem, um sie danach im Netz nutzen zu dürfen. Das ist ebenso absurd wie durchsichtig“, sagte Schmid dem Handelsblatt.

ARD und ZDF dürfen gemäß Rundfunkstaatsvertrag nur bereits gesendete Beträge ins Netz stellen. Die öffentlich-rechtlichen Sender verteidigen ihre Digitalkanäle mit ihrem Auftrag zur Programmvielfalt sowie der Verjüngung ihrer Zuschauer. Dazu sagte Schmid gegenüber dem Handelsblatt: „Es gibt in Summe keinen Zuwachs von jungem Publikum. Das ist empirisch anhand von ZDF und ZDF Neo nachweisbar.“

Bei der Jahresauswertung der Marktanteile 2011 hatte die ARD bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen durchschnittlich nur 6,6% Marktanteil (-0,7% gegenüber 2010), das ZDF verzeichnete in dieser Kategorie einen Marktanteilrückgang von 0,5% auf 6,2%. RTL konnte 2011 mit durchschnittlich 18,4% Marktanteil bei den Werberelevanten sogar noch 0,3 Prozentpunkte zulegen.

Zudem kritisierte Schmid gegenüber dem Handelsblatt die mangelnde Aufsicht der Digitalkanäle: „Wir fordern eine effektive Kontrolle der Digitalkanäle und ihrer Finanzen, die bislang von den Rundfunkräten kaum erfüllt werden kann“, so Schmid. Und weiter sagte er: „Die Politik weiß, dass die Kanäle seit Jahren keine Akzeptanz finden, und es liegt allein bei ihr, die Konsequenz daraus zu ziehen.“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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