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rbb-Intendantin verteidigt umstrittene Programmreform

Als Reaktion auf die fallenden Marktanteile des Rundfunk Berlin-Brandenburgs (rbb) plant der Sender nun eine umfassende Programmreform. Gegenüber Spiegel Online sprachen Mitarbeiter des Senders von einem noch “nie dagewesenen Kahlschlag”, auch wurden Befürchtungen laut, damit das verbliebene Stammpublikum zu verprellen. Nun hat rbb-Intendatin Dagmar Reim die umstrittene Reform verteidigt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte sie: „Fernsehprogramme müssen sich verändern. Sie sind für den Tag gemacht, nicht für die Ewigkeit.“ Die Programmdirektion hätte ein halbes Jahr über die Veränderungen, die im August umgesetzt werden sollen, diskutiert, so die Meldung der dpa. Schwächen und Stärken wären dabei klar erkannt geworden: „Wir haben Defizite bei dem, was man das Leichte nennt. Das Leichte, das Unterhaltsame, ist schwer zu machen. Da müssen wir nachlegen. Keinesfalls geben wir aber unsere Domäne – die regionale Information – auf. Im Gegenteil: Diese Stärke wollen wir künftig noch besser ausspielen und klarer konturieren“, so Reim.

rbb-Programmdirektorin Dr. Claudia Nothelle sagte zu der Reform: „Wir zeigen künftig mehr Reportagen und Dokumentationen und bringen eine klare Struktur in die einzelnen Sendetage. Unsere Stärken im dokumentarischen Fernsehen wollen wir besser zeigen. Es ist uns aber ebenso wichtig, unser Publikum auch gut zu unterhalten. Und: Wir schaffen Raum im Programm für mehr innovative Formate. Dieses Konzept stellen wir jetzt unseren Gremien vor, im Sommer soll es sichtbar werden.“

Den Wegfall des Polit-Talks „Klipp & Klar“ legitimierte Reim mit der bereits vorhandenen Fülle an politischen Talk-Shows: „Die ARD bietet im Ersten fünf starke Talksendungen an, die auf große Akzeptanz stoßen. Da hat es ein Drittes Programm sehr schwer, politisch gewichtige und hoch interessante Gesprächspartner zu finden.“ Nur wenige der dritten Programme würden sich solch aktuelle Gesprächsrunden leisten: „Das tun wir nun bald nicht mehr. Das ist aber keine Entscheidung, die für immer und ewig gelten muss“, so Reim gegenüber der dpa.

Eine Ursache für den Zuschauerrückgang (2011 lag der rbb auf dem letzten Platz der Dritten Programme), habe man immer noch nicht ausmachen können. Reim dazu: „Woran es liegt, weiß niemand genau und wer behauptet, er wüsste es, der löge. Also können wir uns nur auf Vermutungen und Analysen stützen und auf unser Bauchgefühl.“

Ein neuer Schwerpunkt solle künftig der Raum für neue Formate sein.“Ich sehe das RBB Fernsehen als ein Innovationslabor. Wir haben gute Sendungen entwickelt, zum Beispiel mit Kurt Krömer oder Michael Kessler. Das muss am Ende exportfähig sein ins Erste, die Dritten sind für das Ausprobieren da. Hier werden wir als RBB zulegen“, so Reim. Allerdings wolle man keine Casting-Shows oder ähnliches produzieren: „Wir wollen Quote nicht um jeden Preis“ betonte Reim gegenüber der dpa.

 

Der rbb hat in einer Pressemeldung folgenden Überblick der geplanten Änderungen erstellt:

• Für aktuelle Dokumentationen gibt es einen neuen, zusätzlichen Sendeplatz am Dienstag um 21.00 Uhr.

• Für Reportagen gibt es einen neuen, wöchentlichen Sendeplatz am Samstag um 18.30 Uhr.

• Am Donnerstag um 22.45 Uhr gibt es einen Platz für neue 60 – 120-minütige Fernsehformate. (Innovationsplatz)

• Das Talk-Format „Klipp & Klar“ wird nicht mehr fortgesetzt. Claudia Nothelle: „Die regionale Gesprächsrunde hat ihr Publikum nicht mehr gefunden, die zahlreichen und prominent besetzten Gesprächsrunden im ‚Ersten‘ und im ‚ZDF‘ tragen dazu ihren Teil bei. Wir werden Talks anbieten, wenn sie – beispielsweise vor Wahlen oder Volksentscheiden – aktuell sinnvoll und redaktionell geboten sind, aber nicht mehr als festen Wochenbestandteil.“

• „Die Jury hilft“ wird abgelöst. Claudia Nothelle: „Die Ombudsformate haben es zunehmend schwer. Wir müssen neue Wege finden, die Alltagssorgen unseres Publikums ins Programm zu bringen.“

• „Theodor“ kommt sonntags im Wechsel mit „Kowalski & Schmidt“ alle 14 Tage, nicht mehr wöchentlich. Inhaltlicher Schwerpunkt soll die Geschichte „vor Ort“ sein.

• „was! Wirtschaft Arbeit Sparen“ ist künftig 30 statt 45 Minuten lang. „was!“ läuft mittwochs im Wechsel mit „Klartext“ alle 14 Tage, nicht wöchentlich.

• Die Talk-Sendungen „Im Palais“ und „Dickes B.“ wechseln sich am Samstagabend ab, sie sind jeweils eine Stunde lang.

• Am Freitag läuft um 20.15 Comedy und Unterhaltung im Stil von „Kesslers Expeditionen“ oder „Bauer sucht Kultur“, am Abend gibt es generell keine Tiersendungen im Stil von „Panda, Gorilla & Co.“ mehr.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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