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Ranking-Manipulation: ZDF zieht Konsequenzen

Eigentlich hatte es nur eine spannende Abendunterhaltung werden sollen, doch die Manipulationsaffäre um die ZDF-Rankingsendung „Deutschlands Beste!“ zieht mittlerweile immer größere Kreise. 

Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Fuchs, hat im Zusammenhang mit den Manipulationen bei der Rankingshow „Deutschlands Beste!“  die Verantwortung übernommen und seinen Rücktritt bekanntgegeben, so eine Meldung des ZDF. Fuchs selbst habe keine Kenntnis von der Manipulation gehabt, so das Ergebnis einer internen Untersuchung. Diese hatte ebenfalls ergeben, dass das Fehlverhalten bei der ZDF-Redaktion lag. Die für die Sendungen verantwortliche Teamleiterin sei ihrer Führungsfunktion enthoben und abgemahnt worden, so die Meldung weiter. Eine weitere Redakteurin wurde ebenfalls abgemahnt. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte dazu: „Ich danke Herrn Fuchs für sein Engagement und seine Arbeit. Ich respektiere sein Angebot, persönlich die Verantwortung zu übernehmen.“

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Hintergrund:

Das ZDF hatte zwei Sendungen mit dem Titel „Deutschlands Beste! – Frauen“ und „Deutschlands Beste! – Männer“ produziert. Diese Sendungen basierten auf einer zweistufigen repräsentativen Erhebung. Das Institut Forsa hatte 100 Frauen und 100 Männer ermittelt, von denen in der zweiten Stufe jeweils die 50 „Besten“ ebenfalls durch eine repräsentative Erhebung ermittelt wurden. Parallel dazu wurden die 100er Listen auf zdf.de und bei der Programmzeitschrift Hörzu zur Abstimmung gestellt. Die Forsa-Ergebnisse der zweiten Erhebung lagen der Redaktion am 5. Mai 2014 vor, die Ergebnisse der HÖRZU am 28. Mai 2014 und das Ergebnis des Online-Votings am 2. Juni 2014.

Rankings nicht vereinbar

Nach einer Rückfrage bei Forsa stellte sich heraus, dass es nicht möglich war, die unterschiedlichen Rankings zu einem repräsentativen Ergebnis zusammenzuführen, so die Meldung des ZDF weiter. Daraufhin beschloss die Teamleiterin, die Ergebnisse der Online- und der HÖRZU-Umfrage nicht zu berücksichtigen, ohne ihre Vorgesetzten darüber zu informieren. Später seien darüber hinaus ebenfalls eigenmächtig durch die Redaktion Veränderungen an der repräsentativen Forsa-Liste vorgenommen worden, so die Meldung weiter.

Die Tatsache, dass nicht alle Befragungen in das Abstimmungsergebnis eingeflossen sind, kam erst heraus, als ein Journalist nach der ersten Sendung das ZDF gefragt hatte, wer die Listen zusammengestellt hatte. In den Pressemitteilungen zur Sendung waren noch alle Befragungen aufgelistet worden.

Das ZDF hatte daraufhin diese Falschinformation dann transparent gemacht. Das Ausmaß der Manipulation sei erst durch die interne Untersuchung herausgekommen. Das ZDF hat bereits angekündigt, die Reihe nicht mehr fortsetzen zu wollen.

Reaktion DJV: „Angriff auf Glaubwürdigkeit“

Der Deutsche Journalisten-Verband hatte den Vorfall als „Angriff auf die Glaubwürdigkeit des Zweiten Deutschen Fernsehens“ kritisiert. Es sei zu befürchten, dass viele Zuschauer nicht nur dem Unterhaltungs-, sondern auch dem Informationsangebot des Mainzer Senders künftig mit Skepsis begegneten.

DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, der auch Mitglied des ZDF-Fernsehrats ist, sagte dazu: „Es darf keinen Zweifel am Wahrheitsgehalt der Informationen geben, die das ZDF ausstrahlt.“

Reaktion Claus Kleber: „Täter: I hate you!“

Auch der heute-journal-Moderator Claus Kleber zeigte sich empört. Auf Twitter schrieb er: „Hier fliegen gerade die Fetzen. ZDF-Ranking-Show DeutschlandsBeste hat manipuliert. Mogelte mich weit vor Klöppel. Idioten! Sorry, Peter!“. Und in einem anderem Tweet ergänzte er: „BestenFälschung total. AB: Schäuble, vdLeyen, Jan Hofer /// AUF: Beckenb., Hannelore Kraft, Steinmeier etc. Unfassbar! Täter: I hate you!“

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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