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Polizist erlitt psychische Erkrankung durch ekelerregende „Porno“ Mail vom Chef-und wird dafür fertig gemacht

Nachdem das Verwaltungsgericht Düsseldorf bei einem Polizeibeamten einen Dienstunfall zuerkannt hatte, weiß man in der Sensationspresse und in Foren im Internet alles viel besser – und macht Stimmung gegen den Polizisten sowie den betreffenden Richter.

Folgendes hatte sich ereignet: Ein Polizei Kommissar hatte von seinem Chef eine E-Mail bekommen, die es wieder Erwarten in sich hatte. Im Betreff stand angegeben: „WG: Highlight zum Wochenende!!“ Diese Mail enthielt als Dateianhang mit dem Titel: „perfektesdate1.pps“. Das Öffnen hatte zur Folge, dass eine Powerpoint-Präsentation gestartet wurde. In dieser wurden zunächst mehrere sexuell stimulierende Bilder einer attraktiven unbekleideten Frau in einem Sportwagen gezeigt. Im letzten Bild war dann der Unterleib einer Frau mit eitrigen blutenden Wunden usw. zu sehen.

Diese extrem ekelerregende Abbildung eines weiblichen Geschlechtsorgans mit umfangreichen Hautekzemen verfolgte den Polizisten dann. Er begab sich in ärztliche Behandlung und begehrte die Anerkennung eines Dienstunfalls. Dies begründete er damit, dass er aufgrund des Anblicks eine psychische Erkrankung erlitten habe.

Sein Dienstherr dachte jedoch nicht daran. Er berief sich darauf, dass auch mehrere Kollegen diese Bilder gesehen hätten. Ihnen habe das angeblich nichts ausgemacht. Das Ganze gipfelte in dem Satz: „Es widerspreche jeder Lebenserfahrung, dass ein erwachsener Mann, noch dazu ein Polizist, vom Anblick des Bildes  eine psychische Schädigung davon tragen könnte.“

Dies ließ der Polizist nicht auf sich sitzen. Er verklagte seinen Dienstherrn – und bekam Recht.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf stellte mit Urteil vom 02.11.2010 fest, dass der Polizist in Ausübung seines Dienstes eine psychische Erkrankung in Form einer Zwangserkrankung erlitten hatte – und infolgedessen ein Dienstunfall im Sinne von § 31 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG vorlag (Az. 23 K 5235/07).

Der zuständige Richter räumte dabei ein, dass er an den Darlegungen des Polizisten zunächst auch Zweifel gehabt hatte. Er begründet in der Entscheidung ausführlich, weshalb er trotzdem dem Polizisten glaubt – und die Ausführungen des Dienstherrn alles andere als überzeugend sind.

Von großer Bedeutung ist, dass der Polizist unter anderem aufgrund der vorangegangenen Bilder nicht mit der ekelerregenden Darstellung rechnen konnte. Hierin liegt auch das Ungewöhnliche dieses Falls. Zudem ist für jeden Menschen etwas anderes schockierend. Deshalb darf aus dieser Traumatisierung nicht der Schluss gezogen werden, dass der betreffende Polizist nicht den Anforderungen seines Berufs gewachsen ist.

Schließlich verweist das Gericht darauf, dass die Kollegen nicht unbedingt die Wahrheit gesagt haben müssen. Der Richter begründet das damit, dass sie „aufgrund der damit verbundenen Peinlichkeit sowie gruppendynamischen Prozessen von einer Meldung abgesehen haben“. Mit anderen Worten: Niemand von den Kollegen wollte sich durch das Zeigen von Gefühlen als „Memme“ outen.

Aufgrund dieser überzeugenden Begründung des Gerichtes ist unverständlich, weshalb der Polizist in den Foren der Sensationspresse als „Weichei“, „Schmarotzer“ etc. bezeichnet wird und der Richter nach Meinung eines Users in eine Gummizelle gesteckt werden soll. Das hängt wohl damit zusammen, dass viele User dieses Urteil gar nicht gelesen beziehungsweise verstanden haben und dieser „Fall“ für manchen Journalisten ein gefundenes Fressen für Stimmungsmache ist.

Schließlich stellt sich die Frage, wie die Sache bei einer entsprechenden E-Mail an eine Polizistin von dem Dienstherrn und der Presse gesehen worden wäre. Hier wird bei den Geschlechtern häufig ein unterschiedlicher Maßstab angelegt.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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