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OLG Hamburg: Veröffentlichung eines Fotos von Gunter Sachs in einem werbenden Artikel stellt eine Rechtsverletzung dar

In einer aktuellen Entscheidung des  Hanseatischen OLG  (Urteil vom 10.08.2010. Az. 7 U 130/09) hatten die Richter über die Veröffentlichung eines Prominentenfotos in der Zeitung „Bild am Sonntag“ zu entscheiden.

Fotorecht – In der Wochenzeitung war ein Foto von Gunter Sachs abgebildet, der u. a. als Kunstsammler, Autor und Fotograf bekannt ist.  Das Foto zeigt den Prominenten auf einer Yacht sitzend und ein Exemplar der „Bild am Sonntag“ lesend. Offenbar war er unbemerkt fotografiert worden. Das unscharfe Foto hatte in einem ganzseitigen Artikel die Hälfte der Seite eingenommen. Der Text des Artikels dreht sich vorrangig darum, dass diese bekannte Person zu den Lesern der Wochenzeitung gehört.

Landgericht bejahte Unterlassungsanspruch und verneinte Schadensersatz

Hiergegen wandte sich Gunter Sachs mit einer Klage, die auf Unterlassung und die Zahlung von Schadensersatz gerichtet war. Das LG Hamburg gab dem Unterlassungsanspruch weitgehend statt, wies jedoch den Zahlungsanspruch ab. In der Berufungsinstanz verfolgte der Abgebildete seinen Zahlungsanspruch weiter und begehrte für die werbliche Vereinnahmung seiner Person eine Lizenz in Höhe von 50.000,00 €

Keine Information von Interesse für die breite Öffentlichkeit

Das OLG sah das Persönlichkeitsrecht des Prominenten verletzt, obwohl es sich um eine Person mit einer gewissen zeitgeschichtlichen Bedeutung handele. Hierbei wurde zum einen berücksichtigt dass der Abgebildete davon hatte ausgehen dürfen, unbeobachtet zu sein.  Insbesondere wurde auch berücksichtigt, dass die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Foto sich vor allem darin erschöpfte, dass der Prominente die „Bild am Sonntag“ liest. Diese Tatsache sei für die Allgemeinheit von geringer Bedeutung und für die Meinungsbildung nicht geeignet.

Unentgeltliche Benutzung der Bekanntheit zu Werbezwecken

Indem der Verlag die Zeitungslektüre der „Bild am Sonntag“ in den Mittelpunkt des Artikels rückte, nutzte sie, so das OLG, die Prominenz von Gunter Sachs zum Zwecke der Eigenwerbung. Diese Ausbeutung als Werbeträger stelle einen Vermögensvorteil für den beklagten Verlag dar. Obwohl es sich hier um einen redaktionellen Artikel handele, so habe dieser den Charakter einer Werbeanzeige. Üblicherweise werde eine solche Werbung vom Werbeträger gegen eine entsprechende Vergütung gestattet.

50.000 € Lizenzentschädigung ist nicht überzogen

Nicht zuletzt aufgrund der Bekanntheit des Klägers sei eine Lizenz in Höhe von 50.000 € durchaus angemessen, befand das OLG. Hinzu käme, dass die werbende Berichterstattung auch ganzseitig in der Zeitung platziert wurde und so die Aufmerksamkeit besonders vieler Leser erregen konnte. Entscheidend für die Lizenzgebühr war auch die Tatsache, dass die Zeitung über eine besonders hohe Auflage verfügt.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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