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Nach Schumachers Unfall – Was hat der Pistenbetreiber zu befürchten?

Seit über einer Woche beschäftigt der schwere Unfall des ehemaligen Formel 1 Weltmeisters Michael Schumacher die Medien. Am kommenden Mittwoch sollen Details über den Unfallhergang bekanntgegeben werden. Fest steht, dass Schumacher gegen einen Felsen geprallt ist, der sich in dem nicht präparierten Teil zwischen zwei Pisten befand. Der Pistenbetreiber des Skiorts Méribel hat bereits einen Anwalt beauftragt. Gegen ihn wurde der Vorwurf erhoben, er habe die Piste nicht ausreichend gesichert. Sollte sich herausstellen, dass die Sicherheitsmaßnahmen durch das Anbringen von Markierungen oder Absperrungen nicht ausreichend waren, könnte es für den Pistenbetreiber rechtlich schlecht aussehen. Ihm drohen hohe Schadensersatzforderungen. Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE klärt über das geltende Pistenrecht auf und die Konsequenzen, die für Pistenbetreiber bei einem Unfall entstehen können.

 

Wen trifft die Pistensicherungspflicht?

Eine Pistensicherungspflicht besteht sowohl für den Eigentümer der Piste, als auch für den Betreiber der Bergbahn. „Wer den Skifahrer die Piste hochbringt, muss auch für die sichere Abfahrt sorgen“, erläutert RA Christian Solmecke.

Wie weit geht die Haftung der Pistenbetreiber?

Die Pistensicherungspflicht betrifft nicht die Gefahren, die im Verantwortungsbereich des Skifahrers liegen oder mit der Abfahrt auf einer Skipiste zwangsläufig verbunden sind. Der Skifahrer hat dafür zu sorgen, dass er nur so schnell fährt wie es sein Können erlaubt und muss seine Fahrweise an die Gelände- und Wetterverhältnisse anpassen. Jeder Skifahrer muss außerdem damit rechnen, dass sich auf einer Skipiste kleinere freigelegte oder vereiste Stellen befinden können und in der Lage sein diese zu überwinden.

Der Umfang der Pistensicherungspflicht ist auch abhängig von der Art der Piste. Handelt es sich um eine Anfängerpiste, dann gelten strengere Maßstäbe, als auf einer „schwarzen“ Piste. Es müssen die Gefahren beseitigt werden, die der Fahrer nach der Art der Piste nicht erwartet. Dazu gehören beispielsweise plötzliche tiefe Einschnitte in der Abfahrtsstrecke. Diese sind möglichst zu vermeiden. Zumindest müssen Hinweisschilder zur Warnung aufgestellt werden. Ein anderes Beispiel sind Randbrüche am Rande der Piste. Hier ist gegebenenfalls das Aufstellen eines Netzes notwendig. RA Christian Solmecke erklärt: „Ist für den Skifahrer nicht eindeutig erkennbar wo der markierte Skibereich endet, dann muss der Bereich abgesperrt werden. Außerdem muss auf eine eventuelle Lawinengefahr im Außenbereich gewarnt werden.“

Der Begriff „Piste“ ist weit gefasst

Mit dem Begriff „Piste“ ist nicht nur die markierte Strecke gemeint, sondern gegebenenfalls auch das umliegende Gelände. Es kommt hier ganz auf den Einzelfall an. Zum Beispiel können in der Praxis genutzte Abfahrten, die nicht ausdrücklich als solche markiert sind, als zur Piste angehörig angesehen werden. Es reicht aus, wenn diese Abschnitte für den Pistenfahrer den Eindruck erwecken, dass sich die Pistensicherung auch auf diesen Abschnitt bezieht. Der Bereich für den die Pistensicherungspflicht gilt, ist somit nicht immer eindeutig eingrenzbar, sondern muss im konkreten Einzelfall festgelegt werden.

RA Christian Solmecke: „Der Unfall Schumachers ereignete sich zwar in dem nicht präparierten Teil zwischen zwei Pisten, das heißt jedoch nicht ohne Weiteres, dass der Pistenbetreiber für diesen Abschnitt nicht mehr verantwortlich ist. Es kommt hier auf den räumlichen Zusammenhang zwischen dem Abschnitt und der markierten Piste an. Ist der Übergang zwischen dem an die Piste grenzendem Gelände fließend und erweckt dieser den Eindruck der natürlichen Fortsetzung der Piste, dann gilt auch für diesen Abschnitt eine Pistensicherungspflicht.“ Dies gilt in der Regel immer für den unmittelbar angrenzenden Randbereich der Piste.

Fazit: Der genaue Hergang des Unfalls ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass häufig auch die Pistenbetreiber eine Mitschuld tragen und die Konsequenzen bei der Verletzung der Pistensicherungspflicht gerade bei gravierenden Unfällen empfindlich sein können.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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