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Mobilfunk-Anbieter planen Werbe-Blocker

Mobilfunk-Anbieter planen einen drastischen Schritt – Internet-Werbung soll zukünftig durch einen Werbe-Blocker geblockt werden. Hinter der Idee steht die Hoffnung der Netzbetreiber, an den Werbeeinnahmen von Internet-Giganten wie Google oder Yahoo beteiligt zu werden.

 

Eine der zentralen Fragen mit denen sich große Internetfirmen wie Google oder Yahoo beschäftigen ist die, wie mit geschalteter Werbung auf Smartphones Geld verdient werden kann. Mobilfunkanbieter wünschen sich seit langem, dabei auch einen Teil des Kuchens abzubekommen, zumal sie die Netze zur Verfügung stellen, sich keines der Internet-Unternehmen jedoch an den enormen Infrastrukturkosten beteiligt.

Online-Werbung soll geblockt werden

Eine nun öffentlich gewordene Idee mehrerer Mobilfunk-Anbieter könnte die ohnehin angespannte Lage zwischen Netzbetreibern und Internet-Unternehmen noch potenzieren. Danach planen einige Mobilfunk-Konzerne Online-Werbung in ihren Netzen zu blockieren. Die notwendige Software habe ein europäischer Netzbetreiber bereits in seinen Rechenzentren installiert. Die Software solle noch dieses Jahr geschaltet werden.

Das israelische Start-up Unternehmen Shine liefert die hierzu erforderliche Technologie. Laut Shine arbeite man unter anderem mit einem Anbieter zusammen, der 40 Millionen Kunden hat. Sollte sich der geplante Werbe-Blocker durch Netzbetreiber durchsetzen, könnte dies fundamentale Auswirkungen auf die Werbeindustrie haben.

Verstoß gegen Prinzip der Netzneutralität

Der geplante Werbe-Blocker könnte allerdings die Frage nach einem Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität aufwerfen. Danach müssen alle Daten gleich behandelt werden.

Internet-Firmen wie Google oder Yahoo würde ein solcher Schritt in jedem Falle Umsätze kosten. Prognosen zufolge, werden 2015 Ausgaben in Höhe von rund 69 Milliarden Dollar für Mobil-Werbung erwartet.

Anzeigen in Form bezahlter Nachrichten, wie etwa Facebook oder Twitter sie nutzen, sollen von den Plänen der Netzanbieter nicht betroffen sein.

Ziel: Werbeerlöse sollen geteilt werden

Zunächst soll den Mobilfunk-Kunden die Möglichkeit eingeräumt werden, einen werbefreien Service zu buchen. Allerdings sei auch ein radikaleres Szenario, „die Bombe“ genannt denkbar. Dabei, so ein ranghoher Manager eines europäischen Netzbetreibers, würden Anzeigen auf einen Schlag über das gesamte Netzwerk aus Millionen Kunden blockiert.

Das Ziel Der Mobilfunk-Anbieter ist es dabei, Unternehmen wie Google dazu zu drängen, ihre Werbeerlöse zukünftig zu teilen. Als Vorbild kann Adblock Plus dienen.

Adblock Plus als Vorbild

Das Kölner Unternehmen Adblock Plus hat es bereits erfolgreich vorgemacht: Es erhält von Google 25 Millionen Dollar dafür, dass Google-Anzeigen nicht blockiert werden. Auch eBay und Amazon sollen bereits dafür zahlen, dass die Werbe-Blockade für sie nicht gilt.

Allerdings musste sich die Adblock Plus Betreiberin, die Eyeo GmbH bereits mehrfach juristisch gegen Unternehmen verteidigen, wie vor dem LG Köln gegen den Axel Springer Verlag (»zum Artikel), oder wie erst kürzlich vor dem Landgericht Hamburg (»zum Artikel). Dort ging es um die Klage von Zeit Online und dem Handelsblatt. Die Richter entschieden zugunsten des Adblock Plus Betreibers und verneinten einen Wettbewerbsverstoß (416 HK O 159/14, n. rechtskräftig).

Sollten die Mobilfunkanbieter ihren Ankündigungen Taten folgen lassen, müssen sie sich, ähnlich wie Adblock Plus, auf heftigen Gegenwind der Internet-Konzerne einstellen. (TOS)

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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