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Medienrat will Scripted Realitys besser kennzeichnen lassen

Der Medienrat der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein will künftig Scripted Reality-Formate besser kennzeichnen lassen.

Lothar Hay, Vorsitzender des Medienrats der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), forderte laut Angaben des Branchendienstes „Horizont.de“ eine stärkere Kennzeichnung der Formate. Vor allem Kindern und Jugendlichen solle so die Möglichkeit gegeben werden, leichter zwischen Realität und Fiktion differenzieren zu können. „Die Grenze zwischen beidem zu verwischen oder gar aufzuheben, schadet der Glaubwürdigkeit des Fernsehens“, so Hay laut Horizont.de.

© Martin Schumann - Fotolia.comBei den meisten Scripted-Reality-Formaten wird mittlerweile ein Hinweis am Anfang der Sendung eingeblendet, dass es sich um frei erfundene Personen handele. Die Kennzeichnung solle aber noch deutlicher erfolgen. Wie genau dies aussehen solle, wurde nicht bekannt.

Grenzüberschreitung bei RTL2-News

Eine unklare Trennung zwischen Fiktion und Realität sorgt immer wieder für Ärger. Im Frühjahr 2013 hatten die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) die RTL2-News wegen der Scripted-Reality-Sendung „Köln 50667“ beanstandet. In einem Beitrag der RTL2-News gab eine Schauspielerin des Formats “Köln 50667″ ein fiktionales Statement ab – für die ZAK ein Verstoß gegen die klare Trennung von Fiktion und Realität. Die ZAK beanstandete damals, dass das Statement nicht als Interview mit einer fiktiven Figur gekennzeichnet gewesen sei.

Der Beauftragte für Programm und Werbung der ZAK Thomas Fuchs sagte damals dazu: “Bei diesem Beitrag verschwimmt die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Hier verletzt ein Sender die Wahrhaftigkeitsregel. Die Zuschauer können so nicht mehr erkennen, welche Sequenz ‚echt‘ und welche fiktional ist. Ich halte so einen Verstoß in einer Nachrichtensendung für eine Grenzüberschreitung, die wir nicht tolerieren können.“

2012: 40% Reality-Formate bei Vox und RTL

Scripted -Reality ist ein Teil der Kategorie der Reality-Formate. Im letzten Jahr machten Reality-Formate rund 40% im Programm von Vox und RTL aus. Laut einer Studie der LfM bestritt der Privatsender VOX rund 40% seines Programms mit Reality-Formaten, was rund neun Stunden Sendezeit an einem durchschnittlichen Tag entspach. RTL hatte einen Reality-Anteil von 38%, Sat.1 rund 30%. RTL2 kam bei der Untersuchung auf ca. 16%, bei Kabel Eins und ProSieben lagen die Werte unter 10%.

Bei der Studie fielen unter den Begriff “Realitätsunterhaltung” folgende Kategorien: “Scripted-Reality-Formate” (gescriptete Doku-Soaps, gescriptete Gerichts- oder Personal-Help Shows); “Script-affine Formate”, bei denen aus den Aufzeichnungen nicht eindeutig hervorging, ob sie gescriptet sind (Doku-Soaps, Daily Talks); und schließlich “Realityshows” (Castingshows, Real-Life-Experimente, Spiel- und Wettbewerbsshows etc.).

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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