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LG Offenburg – Keine Gegendarstellung nach Veröffentlichung einer Fotomontage

Fotorecht – In einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 30.11.2010, Az. 2 O 415/10) hatte das LG Offenburg über eine Fotomontage zu entscheiden, die ohne Einwilligung der abgebildeten Kläger in einer Zeitung erschienen war.

In der Zeitschrift „neue woche“ war ein Artikel erschienen, welcher sich mit dem Weingut des Verfügungsklägers beschäftigte. Auf der Titelankündigung waren er und seine Frau vor grünen Blättern abgebildet. Dabei handelte es sich um eine Fotomontage.

Der Angebildete versuchte, zunächst außergerichtlich dann im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes vor dem LG Offenburg eine Gegendarstellung in der Zeitung zu erreichen. Die begehrte Gegendarstellung sollte im Wesentlichen klarstellen, dass es sich bei der Abbildung um eine ohne sein Einverständnis hergestellte Fotomontage handele.

Die beklagte Partei war hingegen der Ansicht, es sei für den durchschnittlichen Leser der Zeitschrift erkennbar, dass es sich bei der Darstellung um eine Fotomontage handele.

Kein Anspruch hinsichtlich der Aufklärung über die bloße Tatsache der Fotomontage

Die Landrichter kamen zum Schluss dass der abgebildete Kläger keinen Anspruch auf die begehrte Gegendarstellung habe. Zwar könne grundsätzlich bei einer Fotomontage ein Gegendarstellungsanspruch bestehen, sofern darin Tatsachenbehauptungen enthalten seien. Hingegen dürfe einem veröffentlichen Foto nicht grundsätzlich die Tatsachenbehauptung unterstellt werden, es handele sich dabei um die unverfälschte Wiedergabe der Realität.

Dabei betonte das LG Offenburg, dass dies insbesondere gelte, als es sich um die Gestaltung der Titelseite handele.

Die Landrichter zogen die Parallele zu der weit verbreiteten und allgemein bekannten Praxis, Bilder zu retouchieren, mittels Bildbearbeitung zu verändern oder Bildausschnitte zu verwenden. Auch in solchen Fällen entspreche die Abbildung nicht der Realität, ohne dass dies einer besonderen Klarstellung bedürfe.

Ausdrücklicher Gegensatz zur Rechtsprechung des LG München

Das LG Offenburg distanziert sich in seiner Entscheidung ausdrücklich von der Rechtsprechung des LG München (Urteil vom 07.05.2003, Az. 9 O 5693/03). Dort hatte man in einem vergleichbaren Fall einen Gegendarstellungsanspruch einer auf einer Fotomontage abgebildeten Person bejaht.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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