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LG München: Boulevardzeitung muss 50.000 € Schmerzensgeld zahlen

In den Artikeln von Boulevardzeitungen werden Sachverhalte und Personen nicht selten überspitzt bzw. verändert wiedergegeben. Diese Veränderung der Tatsachen kann allerdings in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der betroffenen Personen eingreifen und Unterlassungs- sowie Schadensersatzansprüche begründen.

In dem vorliegenden Sachverhalt hat das LG München I einer 40-jährigen Münchnerin ein Schmerzensgeld i.H.v. 50.000 € zugesprochen. Die Boulevardzeitung hatte in einem Artikel berichtet, dass der Ehemann der Münchnerin ein Killer sei. Die Zeitung führte dazu in der Überschrift aus: „Münchnerin heiratete diesen eiskalten Killer“. Und weiter: „Mit 40 noch mal einen zehn Jahre jüngeren Mann abgreifen – für die Münchner Krankenschwester (…) war’s wie ein Hauptgewinn im Lotto“.

Neben diesen Informationen machte die Boulevardzeitung auch noch Angaben zum persönlichen Umfeld der Münchnerin wie Alter, Beruf, Wohnort etc.

Gegen diese Verunglimpfung wehrte sich die Frau, die seit der Veröffentlichung des Artikels unter Angstzuständen litt, nun gerichtlich. In der Pressemitteilung des LG München I wird ausgeführt:

„(…) Diese Sichtweise schlug dem Fass nach Ansicht des Gerichts dann doch den Boden aus. Im Urteil heißt es dazu:

„Schon die Überschrift des … Artikels … stellt nicht in erster Linie auf die Straftat ab, … sondern stellt in reißerischer Manier die Beziehung der Klägerin zum Verdächtigen heraus. … Die Klägerin wird herabgewürdigt, indem ihr unterstellt wird, aus einer Art „Torschlusspanik“ heraus eine Beziehung zu ihrem Ehemann eingegangen zu sein. Damit wird ihr gleichzeitig unterstellt, normalerweise für eine Beziehung zu alt und nicht mehr attraktiv zu sein. … Unter diesen Umständen sind die Ausführungen in der Klageerwiderung, der Artikel wecke Mitleid mit der Klägerin und Erleichterung, dass ihr nichts passiert sei, eine zusätzliche Verhöhnung der Klägerin.“

Nachdem ein vom Gericht bestellter Sachverständiger den Artikel als zumindest mitursächlich für die psychischen Leiden der Klägerin bewertet hatte, gab die Kammer der Klage statt und verurteilte die Beklagten zu einer Geldentschädigung in Höhe von € 50.000,00.(…)“

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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