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LG Düsseldorf: Museum Moyland darf Fotos von Beuys-Aktion nicht zeigen

Fotorecht – in einer aktuellen Entscheidung (Urteil vom 29.09.2010, Az: 12 O 255/09) hat das LG Düsseldorf der Stiftung Museum Schloss Moyland untersagt, Fotografien einer Kunstaktion des Künstlers Joseph Beuys aus dem Jahre 1964 auszustellen.

Beuys hatte damals im Rahmen der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ eine Kunstaktion durchgeführt, bei der er eine so genannte Fettecke anfertigte: Ein mit Filz ausgelegter Verschlag wurde mit Margarine bestrichen und ein mit den Worten „Das Schweigen des Marcel Duchamp wird überbewertet“ beschriebenes Papier auf den Boden gelegt. Von der Fernsehsendung existiert keine Aufzeichnung, die Aktion wurde aber durch den Fotografen Manfred Tischer auf zahlreichen Bildern festgehalten.

Gegen die Veröffentlichung dieser Fotos duch das Museum Schloss Moyland klagte die Verwertungsgesellschaft Bild Kunst auf Betreiben der Witwe des verstorbenen Künstlers. Bereits im Mai hatte die Klägerin im Rahmen des einstweiligen Rechtsschutzes ein Urteil erwirkt, nach welchem dem Museum einstweilen untersagt wurde, fünf dieser Fotos in einer Ausstellung zu veröffentlichen.

Bereits hier gingen die Richter davon aus, dass der Künstler Urheber der als „Fluxus“ bezeichneten Kunstaktion sei. Unabhängig davon, dass bei der Umsetzung auch eine andere Person mitgewirkt habe, seien die Idee, die Choreographie sowie die Handlungsanweisungen durch Beuys geleistet worden.

Fotos der Aktion stellen eine Umgestaltung des Werks dar

Die Bilder der Kunstaktion hingegen seien nicht etwa reine Dokumentationen bzw. Vervielfältigungen der Aktion. Vielmehr wurde die Aktion durch die Fotos von einem dynamischen Prozess in einen statischen Zustand versetzt. Gleichzeitig seien die schöpferischen Elemente der Aktion in dien Fotos wieder erkennbar. Hierin sei letztlich eine Umgestaltung des ursprünglichen Werks zu sehen, deren Veröffentlichung die Zustimmung des Urhebers bzw. seiner Erben bedürfe.

Keine freie Benutzung des Werks

Diese im Eilverfahren getroffene Entscheidung wurde nun im Urteil des Hauptsacheverfahrens, welches sich nunmehr auf 19 Fotografien bezieht, durch das Landgericht bestätigt. Insbesondere lehnte es die Kammer in dieser Entscheidung ab, die Fotos als eine freie Benutzung im Sinne von §24 UrhG zu betrachten, welche eine Veröffentlichung ohne die  Zustimmung des Urhebers ermöglicht hätte. Denn hierzu hätten in dem neuen Werk die wesentlichen Züge des ursprünglichen Werkes verblassen müssen. Bei den vorliegenden Fotos war, so urteilte die Kammer, die inhaltliche Gesamtaussage der ursprünglichen Kunstaktion deutlich erkennbar.

Kontroverse Beurteilung des Urteils

Dass die unterliegende Stiftung Revision gegen dieses Urteil einlegt, ist nicht unwahrscheinlich. Die Direktorin der Stiftung  kritisierte das Urteil, welches bedeuten würde, dass Fotografen künftig keine Reche mehr an Bildern von dynamischen Kunstaktionen hätten. Insgesamt stehe das Ergebnis des Hauptsacheverfahrens im Widerspruch zu dem von Beuys vertretenen erweiterten Kunstbegriff.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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